Woche 8. Was ist Schlaf?

Woche 8. Was ist Schlaf?

Ich bin müde. Vermisse die Hormone, die bislang alles geregelt haben. Doch vier Nächte mit Schlafentzug zerren an mir. Mamasein ist ein 24 Stunden Job. Es gibt keinen Feierabend, keine Mittagspause, keinen geregelten Tagesablauf. Du weißt nicht, was dich an jedem einzelnen Tag erwartet.

Mama

Die To-Do’s stauen sich an. Und, wenn einmal Luft ist, dann weißt du oft nicht, wo du anfangen sollst. Ja, wir reden wieder von den Prioritäten. Ein Thema, was mich noch lange verfolgen wird. Was ist wichtiger? Die aufgestaute Wäsche? Der Haushalt? Die eigene Nahrungsaufnahme? Die Dusche? Oder doch mal etwas Me-Time?

Mit der Babytrage lässt sich so viel erledigen, aber auch dazu fehlt mir dann oft einfach die Kraft. Das Baby wieder stundenlang tragen, damit die Dinge erledigt werden können? Dabei ist es so bequem, einfach mal auf der Couch zu liegen, das Kind auf dem eigenen Bauch schlummern zu hören und nichts zu tun. Vielleicht noch das ein oder andere Auge zudrücken, etwas Schlaf nachholen. Doch dann wird die Liste immer länger und die freie Zeit bleibt dieselbe.

Die Hebamme redet vom 8-Wochen-Schub. Unruhige Nächte, leichter Schlaf, bis er denn überhaupt einmal eingeschlafen ist und ganz davon abgesehen, dass er außer in den Wachphasen, nicht weggelegt werden möchte. Letzteres kennen wir seit Geburt nicht anders. Bis Dato hat der Schlafmangel mich auch nicht sonderlich gestört. Bis heute.

Schlafen, wenn das Baby schläft? Schwierig. Meinen Kopf bekomme ich nicht aus. Und auch, wenn der Haushalt für einen kurzen Moment verschwindet, wenn ich meine Augen schließe, bleibt da dieses Gefühl. Die Zeit muss doch genutzt werden. Irgendwie.

Umso glücklicher bin ich, dass ich einen Oma-Tag eingeführt habe. Meine Mutter, die sowieso jede Sekunden mit ihrem Enkel genießen möchte und ich, die einfach auch etwas Zeit für sich benötigt. Durch ihre Schichtarbeit können wir uns auch unter der Woche sehen. Sie bespaßt den Kleinen, schlummert mit ihm auf der Couch und gibt ihm die Nähe und die Geborgenheit, die er so viel benötigt. Und ich kann schreiben, etwas Haushalt erledigen und vor allem den Versuch starten, auch mal loszulassen. Zumindest ein bisschen, denn noch kann ich alles kontrollieren und beobachten.

Baby

Wir bekamen noch einmal wegen der anhaltenden Verdauungsbeschwerden den Tipp, es mit Kümmelzäpfchen und Darmbakterien zu versuchen. Die Kümmelzäpfchen brachten allerdings nichts. Mit den Darmbakterien hatten wir unsere erste Nacht, mit knapp 5 Stunden durchgehendem Schlaf. Ich dachte schon, wir hätten es endlich überstanden, doch dann kam der Schub. Die richtige Veränderung haben die Darmbakterien dann auch nicht gebracht. Nach wie vor bleibt der Anis-Fenchel-Kümmel Tee unser Favorit. Wenn der einmal vergessen wurde, merkt man tatsächlich einen Unterschied.

Natürlich bin ich gereizt, wenn die Nächte kurz ausfallen und  Bauchgrummeln, das gerade eingeschlafene Baby wieder aufwecken. Gerade dann, wenn ich fiese Rückenschmerzen habe und soeben ein Fünkchen Ruhe bekommen habe. Letztendlich sage ich mir doch immer wieder, dass sie doch nur ein Jahr ein Baby sind. Das macht mich glücklich und traurig zugleich.

Ich liebe es, dass ich ihn beruhigen kann. Ich liebe es, von ihm gebraucht zu werden. Erinnere mich tagtäglich daran, dass es bald besser wird und bin im nächsten Moment traurig, wie schnell die Zeit vergeht. Sie brauchen uns, sie können nicht anders. Wir wollen so oft, dass das Baby sich unserem Alltag anpasst, sind vielleicht genervt, weil wir doch gerade etwas anderes machen oder erledigen wollten. Dabei sollte uns jeder Schrei daran erinnern runterzufahren, im Hier und Jetzt zu leben und jede Minute mit unserem Baby zu genießen. Denn die Zeit, wird uns niemand zurückgeben und wir können ihre Kindheit zu einer der Schönsten gestalten, wenn wir ihnen unsere Zeit geben.

Neben all den schwierigen Phasen, ist es nach wie vor das schönste Gefühl, wenn du dein Baby mitten in der Nacht wickelst oder am Morgen völlig übermüdet von der Nacht dein Baby anschaust und es dich anlächelt. Sich gar krümmt vor Lachen. Es wird immer mehr und gibt einem so viel zurück. Spätestens dann weiß ich, dass alles was geschieht Okay ist. Die schlaflosen Nächte sind Okay. Die Rückenschmerzen sind Okay. Die abgelaufenen Füße sind Okay. Ich würde für sein Lachen ziemlich alles in Kauf nehmen.

Meine Erkentnnisse nach der 8. Woche

  • Das Baby kennt keine Zeitumstellung und hat seine eigene Uhr
  • Schübe sind kräftezerrend
  • Sein Lachen ist wie eine Droge für mich
  • Jeden Moment genießen
  • Wir haben 5,4 kg erreicht und passen vereinzelnd in Größe 62
  • Ich hätte nie gedacht, dass mein Gesang jemanden beruhigen könnte, aber es funktioniert.
  • Da er eine Woche vor Stichtag geboren wurde, verlängert sich mein Wochenbett/Mutterschutz auf insgesamt 9 Wochen
  • Wir verlieren ständig die kleinen Söckchen

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