Woche 7. Rituale.

Woche 7. Rituale.

Im Laufe der Zeit entwickeln sich Rituale. Die Nächte und Tage folgen einem Rythmus und der Alltag spielt sich ein. Manches entwickelt sich dabei unbewusst.

Mama

Woche 7. Wo ist die Zeit geblieben? Das Wochenbett neigt sich dem Ende. Ein komisches Gefühl. Noch oft schauen wir unseren Sohn an und können dieses Glück noch immer kaum glauben. Alles ist so normal und doch so unnormal. Wird dieses Gefühl sich irgendwann ändern? Hat man irgendwann nicht mehr das Gefühl, dass man es nicht glauben kann, was passiert ist? Dass aus beinahe Nichts ein eigenständiges Lebewesen entsteht, aus Fleisch und Blut. Welches lacht und weint und eigene Gedanken hat. Er gehört einfach so zu uns und das wird sich nie ändern. Unglaublich.

Mein Wochenfluss ist nach wie vor da. So langsam vermisse ich eine heiße Badewanne, obwohl ich so gut wie nie baden gehe. Aber ich darf es noch nicht und das macht es so verlockend. So wie die ganzen Lebensmittel, die man in der Schwangerschaft nicht essen durfte. Man will immer das, was man nicht haben kann. Bisher habe ich ca. 12 kg verloren, aber das ist mir ehrlich gesagt überhaupt nicht wichtig. Viel lieber würde ich einfach wieder in alle meine Hosen passen und nicht überlegen müssen, ob ich Geld für neue ausgeben muss. Haare und Nägel waren glaube ich mein Leben lang nicht so voll und hart. Ich fürchte mich jedoch bereits vor dem dritten Monat, wo das oft ein Ende haben soll.

Ein Thema was bei uns immer präsenter wird, sind Besuche. Ich bin so überwältig von all den Geschenken, die wir erhalten haben und wer an uns alles gedacht hat. Doch je mehr Wochen verstreichen, desto öfter bekommen wir Nachrichten oder Anrufe mit Besuchsankündigungen. Verwandte, die gar beleidigt wirken, wenn man diese noch vertrösten muss oder es nicht jede Woche, sondern nur jede zweite Woche klappt. Plötzlich steht man völlig im Fokus, was einerseits schön, aber auch anstrengend sein kann. Man hat oft das Gefühl, jedem irgendwie gerecht werden zu müssen. Omas, Opas, Tanten, Onkels, Bekannte, Freunde und sonstige Verwandte. Und ich kann einerseits jeden verstehen, der den Kleinen aufwachsen sehen möchte, doch so oft werden wir als Eltern vergessen. Auch, wenn bereits 7 Wochen um sind, sind erst 7 Wochen um. Noch immer müssen wir uns finden und mit Kind bleibt einfach immer weniger Zeit, neben sich, dem Kind, dem Partner auch noch allen anderen gerecht zu werden. Wir geben uns wirklich Mühe, aber alles braucht seine Zeit.

Baby

Unser Baby hat immer häufigere Wachphasen, in denen er auch beschäftigt werden möchte. Ich bin dann oft die einarmige Frau, die mit Baby im Fliegergriff und Selbstgesprächen, da die Antworten noch ausbleiben, durch das Haus läuft, um wenigstens ein bisschen was im Haushalt zu schaffen. Für seinen blauen Teddy, das bunte Mobile oder den knisternen Elefanten interessiert er sich immer mehr und kann glücklicherweise dann doch auch mal einige Zeit alleine liegen bleiben. Für unsere gemeinsame Zeit habe ich Fingerspiele, Singen und Rumblödeln für uns entdeckt.

Unterwegs auf unseren Spaziergängen schläft er überwiegend. Schotterwege sind ihm im Kinderwagen dabei die liebsten. Aber egal, ob im Kinderwagen oder in der Babytrage. Stehen bleiben ist keine Option, denn sofort wird gemeckert. Er hält einen also ganz schön auf Trab.

Faszinierend finde ich, dass wir mittlerweile fast täglich den gleichen Ablauf haben. Er schläft meist zur gleichen Zeit abends ein, wacht in der Nacht fast auf die Minute genau zur ersten Mahlzeit auf und wird dann unruhiger. Morgens weiß er ganz genau, wann er nicht mehr schlafen möchte und fällt irgendwann nach einer längeren Wachphase wieder in den Schlaf. Abends hat er dann oft noch zur selben Uhrzeit wieder eine lange Wachphase. Wir können so mittlerweile gut planen und uns nach ihn richten. Ich gehe nach wie vor zur selben Uhrzeit mit ihm ins Bett, damit ich genügend Schlaf bekomme und es funktioniert. Seitdem er bei uns ist, hatten wir zur Nacht quasi nie Probleme mit dem Einschlafen.

Da kommen wir direkt zu den Ritualen. Jeden Abend übernimmt mein Mann die letzte Wickelschicht, nachdem ich die erste Seite gestillt habe. Er wickelt ihn, massiert seinen Bauch und zieht seinen Strampler an. In der Zeit kann ich mich in Ruhe umziehen, Zähne putzen und fertig machen. Anschließend wird die zweite Seite gestillt und wir schlafen gemeinsam ein. Das gibt nicht nur ihm ein sicheres Gefühl, sondern auch mir.

Und am morgen renne ich wie beschrieben mit ihm durch das Haus, füttere den Hund, mache mir meinen Fenchel-Anis-Kümmel Tee, Frühstücke und gehe anschließend spazieren, sofern das nicht meine Schwiegermutter übernommen hat. Danach wird meist entspannt, es sei denn, wir haben etwas vor.

Meine Erkenntnisse nach der 7. Woche

  • Die Zeit rennt. Jede Sekunde muss man genießen
  • Man will immer das, was man nicht darf/hat.
  • Probleme anderer sind nicht mein Probleme. Es läuft nach unseren Regeln
  • Morgens nach dem Aufstehen fallen mir die „Selbstgespräche“ am schwersten
  • Fingerspiele bringen wahnsinnig Spaß. Faszinierend, an welche Lieder und Reime man sich noch aus der eigenen Kindheit erinnern kann
  • Stehen bleiben ist auf Spaziergängen keine Option
  • Rituale geben allen Sicherheit

 

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