Woche 6. Der ganz normale Wahnsinn.

Woche 6. Der ganz normale Wahnsinn.

Termine. Termine. Termine. Warum ich das Wochenbett nicht einfach entspannen kann, ist mir schleierhaft. Leider war ich schon immer die Ungeduld in Person und richtig abschalten liegt mir nicht. Leider. Und so sitze ich hier, mit meinem Baby in der Trage auf einem Gymnastikball und übe mich im Multitasking.

Mama

Angefangen mit einem Beautyday mit meinen Freundinnen, die ebenfalls dieses Jahr ihr erstes Kind bekommen haben (Ja, wir sind 6 an der Zahl), wurde die 6. Woche erstmal entspannt eingeleitet. Glück muss man haben, wenn sich darunter sogar eine Friseurin und eine „Wimpernstylistin“ befinden. Wir Mamas dürfen ja nicht auf der Strecke bleiben und so wurde mein Haus erst einmal in ein Studio verwandelt und jeder passte gegenseitig auf die Kleinen auf. Einen kleinen Haarschnitt hatte ich auch wirklich nötig.

Am Wochenende folgten dann Besuche und mein dritter Milchstau. Und dafür könnte ich mich selbst Ohrfeigen. Ich scheine es noch immer nicht begriffen zu haben und mein sensibler Körper musste mich dann doch wieder darauf aufmerksam machen. Es war tatsächlich nicht so, dass ich mich aufgrund der vielen Termine stresste, sondern von meinen Vorstellungen, die nicht jeder so sah. Dieses Mal wusste ich natürlich was zu tun ist. Wärmen, Stillen, Kühlen – AUSRUHEN! Also lag ich mal wieder 1-2 Tage mit Schmerzen und Fieber im Bett. Und lernte, dass ich endlich anfangen muss, meinen Mund aufzumachen.

Auch, wenn das Stillen und ich bisher nicht die besten Freunde waren, hat sich in Woche 6 nun endlich langsam alles eingependelt. Nicht mehr stundenlanges Stillen, kein dauerhaftes oder häufiges Anlegen. Ja, so langsam fange ich sogar an es zu genießen und kann mir eine Zeit ohne noch gar nicht vorstellen. Vermutlich werde ich es sogar eines Tages vermissen.

Verrückt wie schnell sich so vieles verändern kann. Ich bin mittlerweile richtig als Mama angekommen. Ich liebe das Gefühl, gebraucht zu werden. Oft habe ich Sätze, wie „Wahre Liebe kennt man erst, wenn man sein eigenes Kind in den Armen hält“ lediglich belächelt. Doch es ist wirklich so. Ich habe noch nie zuvor so eine Liebe oder Verbindung gespürt, wie zu meinem Kind. Bei jedem Lächeln, bei jedem Fortschritt könnte ich einfach nur weinen, weil es mich so unglaublich stolz macht.

In Woche 6 überraschte ich meinem Mann eines Morgens damit, dass er heute das erste Mal auf den Kleinen allein aufpassen wird. Zumindest für maximal zwei Stunden. Also schnappte ich mir meinen Hund, ging eine Runde spazieren und anschließend Einkaufen. Ein komisches, aber auch gutes Gefühl sich für kurze Zeit einfach mal abzunabeln und loszulassen.

Doof wird es nur, wenn man nach 6 Wochen das erste Mal alleine einkaufen ist und sich die Stilldemenz bemerkbar macht. Denn an der Kasse fiel mir plötzlich meine PIN der Bankkarte nicht mehr ein. Glücklicherweise reichte das Bargeld dann doch aus.

Der ganz normale Wahnsinn. Das ist mein heutiger Alltag. Man kocht sein Mittagessen, das Kind weint, weil die Windel gewechselt werden möchte und du hoffst, dass die Eieruhr erst piept, wenn das Kind fertig gestillt ist. Denn ansonsten läufst du mit Kind auf dem Arm durch das Haus und versuchst einarmig das Essen auszustellen oder weiter zu verarbeiten. Multitasking steht einfach an der obersten Stelle, um nicht nur dem Kind, sondern auch den eigenen Bedürfnissen nachzukommen. Der ganz normale Wahnsinn eben.

Baby

Die U3 stand an. Ganz allein, mit einem weinenden Kind auf dem Rücksitz startete ich meinen Tag. Memo an mich selbst: Die Wärmelampe in den Räumen wärmt nicht nur dein Kind, sondern bringt auch dich zum Glühen. Nächstes Mal reicht wohl ein T-Shirt. Auch im Winter.

Das Kind wurde überprüft, Probleme besprochen, Lösungen analysiert, die Hüfte per Ultraschall kontrolliert und die nächsten Schritte, wie Impfungen, Termine und auch Unfallverhütungen besprochen. Das Kind ist gesund, super entwickelt und die Mama ist glücklich. 3 cm gewachsen und 1150 g seit der Geburt zugenommen. Das Kind wächst und gedeiht.

Aufgrund der anhaltenden Verdauungsprobleme, die uns besonders in der Nacht zu schaffen machen, bekamen wir noch einmal den Tipp, Darmbakterien zu geben oder Kümmelzäpfchen zu nutzen. Alles andere haben wir bereits probiert. Fahrradfahren, Hüfte kreisen, Kümmelsalbe einmassieren, Fliegergriff, Auf dem Bauch liegen,… Was bisher jedoch am besten klappt, ist der Fenchel-Anis-Kümmel Tee, den ich morgens und abends trinke. 

Zwei Tage habe ich mich auch auf empfehlung der Hebamme dazu durchgerungen, das Kind über Nacht zu pucken. Generell habe ich nichts dagegen, jedoch hatte ich die meiste Zeit die Angst etwas falsch zu machen. Die erste Nacht hatte ich das Gefühl, dass das Kind tatsächlich wieder leichter einschläft, nachdem es wegen Unwohlsein aufgewacht ist. In der zweiten Nacht zeigte sich jedoch die gleiche Unruhe zur gleichen Zeit und die gleichen Wachphasen. Entweder haben wir den Moment verpasst, wo das Kind das Pucken mit dem Mutterleib verknüpft oder ich übertrage meine Angst.

Letztendlich geht aber auch diese Phase vorbei und irgendwann wird sich die Verdauung eingespielt haben. Der Schlaf scheint für mich zumindest in der Nacht zu reichen und das Kind erholt sich spätestens am nächsten Morgen.

Meine Erkenntnisse nach der 6. Woche:

  • Ein Beautyday ist ein Muss
  • Ich liebe das Gefühl, gebraucht zu werden
  • Auch mal Abnabeln und Loslassen
  • Vergewissere dich vor dem Einkauf, dass du deine PIN noch kennst
  • Man wächst an seinen Aufgaben
  • Pucken ist ein Versuch wert
  • Kümmel-Anis-Fenchel Tee gegen Bauchschmerzen und Blähungen
  • Multitasking ist das A und O
  • Mund aufmachen und Reden. Nicht von anderen erwarten, dass diese in deinen Kopf sehen können.

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