Woche 5. Allein zu Haus.

Woche 5. Allein zu Haus.

Da waren wir nun. Plötzlich nur noch zu dritt. Vier Pfoten, Zwei Hände und ein Baby, welches auf genau diese angewiesen war. Nach einer fast schlaflosen Nacht ging es für den Ehemann wieder auf die Arbeit und wir sollten den Alltag nun allein bestreiten.

Mama

Vier Wochen Elternzeit nach der Geburt des Babys. Viele Männer sparen sich ihre Elternzeit für später auf, da sie dann angeblich viel mehr von ihrem Kind haben. Leider ist es auch so, dass man das Elterngeld erst ab der Geburt beantragen kann und somit eventuell eine kurze Zeit ohne Geld überbrückt werden muss. Für uns jedenfalls war es die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. Nicht nur mein Mann hat nun viel mehr Verständnis für meinen neuen Alltag, auch ich habe ein ganz großes Vertrauen zu meinem Mann aufbauen können. Sofern das Kind mal auf seinem Arm schreit, weiß ich, dass er genauso wie ich gelernt hat, was zu tun ist und ich nicht sofort zu ihm eilen muss.

Wir sind gemeinsam in diese neue Aufgabe hineingewachsen, hatten vorher beide so gut wie keinen Kontakt mit Kindern oder Babys. Ich wäre heute lange nicht so entspannt und geerdet gewesen, wie ich es jetzt bin, auch wenn nicht immer alles einfach ist. Er hat sich um den Haushalt, den Hund, die Formalitäten gekümmert. Ich hatte auch einfach mal eine Stunde für mich, um mich um meine Bedürfnisse zu kümmern. Es war eine wirklich wertvolle Zeit, um als Team zusammen zu wachsen.


Zwischen 7 und 8 Uhr hat der kleine Mann mittlerweile nach großem Gebrüll und anschließendem Stillen eine zauberhafte Wachphase, in der er fasziniert zum Fenster schaut. Für mich die Zeit in das Badezimmer zu stürmen und so einigen Bedürfnissen nachzukommen. Anschließend geht es meist gegen 9 Uhr spazieren. Ja, erstaunlicherweise schaffen wir es fast täglich zur selben Uhrzeit.

Nach dem Spaziergang versuche ich entweder den kleinen Mann kurz wegzulegen, um mir mein Frühstück vorzubereiten und mit einer Hand zu essen, weil er spätestens dann wieder meckert oder an schlechteren Tagen muss ich selbst das Frühstück einarmig vorbereiten. Man wird erfinderisch und überlegt sich zweimal, ob es aufwendig sein muss.

Was danach passiert steckt meist zwischen Langeweile, da ich mit Baby an die Couch gefesselt bin und dem anschließendem „ich bin irgendwie zu nichts gekommen“. An dem ersten Tag war ich jedoch besonders euphorisch, packte mir das Baby in die Babytrage und putzte das Haus. Ärgerlicherweise kann man sich nicht unbedingt nach vorne beugen, die Lösung sind ungewollte Kniebeugen. Die Strafe folgte am nächsten Tag: Muskelkater der schlimmsten Art. Am nächsten Tag beförderte mich also nicht nur mein Baby auf die Couch, sondern auch die schrecklichen Schmerzen. Man lernt ja nie aus. Nicht umsonst, soll man sich im Wochenbett wohl ausruhen.

Die Stunden und Tage sind förmlich verflogen. Kaum waren wir von unserer zweiten Gassirunde zurück, stand der Herzmann auch schon wieder in der Tür. Endlich die Gelegenheit wieder ein, zwei Bedürfnissen nachzukommen.

In Woche fünf habe ich für die unruhigen Abende den Gymnastikball für mich entdeckt. Das Baby liebt es und mein Rücken auch. Endlich nicht mehr stundenlang durch das Haus laufen. Ich kann es nur jedem empfehlen.

Auch ein Wickelrucksack wurde bestellt, da in meinem jetzigen Rucksack unterwegs nichts wiederzufinden ist. Nach einer kleinen Umfrage auf Instagram, sollte ein guter Wickelrucksack/Wickeltasche folgendes haben:

– Viele kleine Fächer und Stauraum
– Fach zum Warmhalten
– Wasserdichtes Fach
– Platz für Windeln, Feuchttücher und Wechselbody
– Aussentaschen für Mutti-Sachen
– Fach am Rücken, damit man auch an untere Dinge gelangt

Und nicht zu vergessen: eine Winterjacke mit Babyeinsatz ist auf dem Weg, damit wir mit der Babytrage auch durch die kälteren Jahreszeiten kommen.

Baby

In der fünften Woche steht oftmals der erste Wachstumsschub an. Danach soll das Baby u.a. zum ersten Mal oder häufiger Tränen zeigen, das erste bewusste Lächeln erfolgt, es ist wacher und aufmerksamer. Während des Wachstumsschubs ist es jedoch sehr anhänglich, quengelig und anstrengender.

Tatsächlich zeigten sich in dieser Woche das erste Lächeln und die ersten Tränen. Auch die Wachphasen werden immer länger. Wann er genau seinen Schub hatte? Keine Ahnung. Ich habe gelernt nicht für jedes Gebrüll eine Diagnosen zu stellen und mich einfach nach seinen Bedürfnissen zu orientieren. Was bringt es mir zu wissen, wann mein Kind welche Schübe hat, ob es ein Schreikind ist oder vielleicht unter Koliken leidet. Oftmals sind wir so fixiert darauf, für alles eine Erklärung haben zu müssen, dass wir mal wieder vergessen auf unser Bauchgefühl zu hören und unser Kind einfach durch diese Zeit zu begleiten. Schlimmstenfalls gibt man dem Kind noch das Gefühl, dass etwas nicht mit ihm stimmt und der Teufelskreislauf beginnt.

Mein Herz zerreißt förmlich, wenn ich die winzigen Tränen in seinen Augen sehe. Für das Lächeln muss ich mich jedoch so richtig zum Affen machen, während mein Mann fast ununterbrochen angelächelt wird. So ist das wohl. Wir sind 24/7 für unser Baby da und Papa ist der Held. Aber man sagt ja, dass die Jungen eher Mamakinder seien. Warten wirs ab.

Wach und aufmerksamer ist er auch. Nicht nur morgens, sondern auch abends ist er fast eine Stunde nur am quatschen und schauen. Unsere Gesichter fixiert er dabei mittlerweile richtig gut und dreht seinen Kopf, wenn wir mit ihm reden. Sobald er auf dem Bauch liegt, kann er ebenso bereits für mehrere Sekunden seinen Kopf halten. Wir sind mächtig stolz, auf jeden seiner Fortschritte. Es ist unfassbar schön, seine Entwicklung mit zu verfolgen.

Meine Erkenntnisse nach der 5. Woche:

  • Die Schlafphasen werden immer kürzer, so auch die Zeit für einen selbst
  • Elternzeit ist Babyzeit. Ihm gehört unsere volle Aufmerksamkeit
  • Auch ohne Mann wuppen wir den Alltag. Auch einarmig.
  • Ein Gymnastikball entlastet den Rücken und wiegt Baby in den Schlaf.
  • Nichts überstürzen und langsam wieder in den Alltag kommen, ansonsten droht der Muskelkater
  • Weniger Diagnosen, mehr Bauchgefühl
  • Jede Phase hat irgendwann ein Ende

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.