Woche 2 – Gefühlschaos

Woche 2 – Gefühlschaos

Die zweite Woche im Wochenbett und wir kommen langsam im Alltag an. Können schon einige laute des Babys zuordnen und fragen uns dennoch so oft, wieso er wieder mal schreit.

Ich selbst werde wieder aktiver. Die Schmerzen verschwinden. Liege viel auf der Couch und hole Schlaf nach, der Kleine liegt meist auf mir. Tagsüber gehen wir eine Runde mit dem Kinderwagen spazieren, die Augen hat er dabei die meiste Zeit geöffnet. Er ist unglaublich neugierig. In der Nacht schläft er zunächst 3-4 Stunden, doch ab halb 2 findet er kaum noch Schlaf. Verwunderlicherweise bin ich tagsüber dennoch recht fit. Der Hormone sei dank.

Apropos Hormone. Glücklicherweise bin ich von der Wochenbettdepression verschont geblieben, die Schwangerschaft war aufreibend genug. Doch so oft wechseln meine Launen. Urplötzlich sitze ich im Auto auf dem Rücksitz neben meinem Kind und fühle mich gestresst, unbehaglich… vermisse mein Lachen und die gute Laune. Wenige Stunden später tanze ich jedoch mit meinem Sohn auf dem Arm schon wieder durch das Wohnzimmer, singe einzelne Strophen von Kinderliedern aus meiner Kindheit, spaße und lache mit meinem Mann und himmle den Kleinen verliebt an. Schon komisch, diese Hormone.

Die Hebamme kommt seitdem wir aus dem Krankenhaus sind täglich zu uns. Sie wiegt das Baby und gibt uns wertvolle Tipps. Sie ist mehr als eine Hebamme. Seelsorgerin, Ratgeberin, Aufpasserin und Ruhepol. Sie hilft uns bei Anträgen, passt auf, dass ich mich nicht stresse – runterkomme und auch Ruhe finde.

Unser Sohn sucht nun immer mehr die Nähe und mag nicht mehr alleine liegen. Er schreit Abends viel. Ich bin wie gefesselt. Sorge mich nun auch zwischendurch darum, dass er nicht alleine ist. Er ist immer bei mir oder bei meinem Mann. Sollten wir den Schnuller geben? Sollten wir etwas anders machen? Wir wollen ihn nicht verwöhnen. Das Internet ist voll mit Ratschlägen und wir vergessen, mal wieder auf unseren Bauch zu hören.

Ich schaue meinen Mann an und vermisse die Zweisamkeit. Vermisse seine Nähe und seine Wärme. Zwischen uns ist nun jemand, jemand der uns braucht und ohne uns nicht überleben kann. Und auch, wenn nun alles anders ist, ist er der beste und schönste Grund dafür. Doch so oft können wir dieses Wunder noch nicht greifen und glauben. So oft sprechen wir darüber, ob das alles wirklich gerade passiert. Und meist funktionieren wir einfach. Sind plötzlich Eltern, ohne es je gelernt zu haben.

Ich schaue meinen Hund an, einst mein einziges Baby. Unsere Beziehung hat sich verändert. Mein Mann kümmert sich hauptsächlich um ihn und gibt ihm den benötigten Auslauf und die Streicheleinheiten. Ich bin strenger geworden und beschütze mein neues Baby, wenn der Hund zu unvorsichtig ist. Ich versuche beidem gerecht zu werden, beide zu lieben, aber die Liebe hat sich zunächst verändert.


All die neuen Gefühle, der neue Tagesablauf, das neue Leben. Manchmal kann es einen ziemlich überrumpeln. Und gerade dann, ist eine gute Hebamme und eine starke Familie gold wert. Mich quälte oft die wenige Zeit, die ich für meinen Hund plötzlich hatte, für meinen Mann oder für mich. Ich hatte das Gefühl alles zu vernachlässigen, hatte oft Angst, in Bezug mit meinem Kind etwas falsch zu machen. Bin fast durchgedreht, weil ich mich nicht wie gewohnt mit um den Haushalt kümmern konnte. Ich drehte mich wieder im Kreis. Hörte wieder viel zu wenig auf mein Bauchgefühl und eher auf das, was andere mir sagten.

Doch dann öffnete mir meine Hebamme wieder die Augen. Man kann ein Kind nicht verwöhnen und solange wir auf unser Bauchgefühl hören, machen wir alles richtig. Es wird Zeit, den Perfektionismus wieder abzulegen und anzufangen zu leben.

Noch bevor ich die Einsicht hatte, machte sich bereits der zweite Milchstau auf den Weg. Die linke Seite, oftmals als „emotionale“-Seite bekannt. Ein weiterer Tag mit Fieber, Gelenkschmerzen und Schüttelfrost begleitete mich. Ein Tag, den ich mit meinem Baby im Schlafzimmer verbracht habe. Jedoch tat es gut, dass der Körper noch einmal auf die Stop-Taste gedrückt hat. Mir noch einmal gezeigt hat, dass ich runterfahren muss. Und dieses Mal hatte ich es verstanden. Es war wirklich angekommen.

Meine Erkenntnisse nach der 2. Woche:

  • Auf das Bauchgefühl hören
  • kein Stress, kein Besuch
  • Wir lieben es, gemeinsam zu tanzen
  • Ich muss unbedingt neue Kinderlieder lernen
  • Er braucht viel Nähe und die bekommt er. Rund um die Uhr.
  • Das Familienbett ist offizell eröffnet

2 Kommentare

  1. 4. Oktober 2019 / 18:02

    Hallo du Liebe 💕

    Wahre Worte! Kommt mir sehr bekannt vor. Immer diese Ratschläge und Aussagen wie: du verwöhnst ihn ja total. Das kann man gerade in der Anfangszeit mit einem Baby nicht wirklich gebrauchen.

    Ich wollt euch nur sagen, ihr macht das Richtige. Ihr seid perfekt für euer kleines Wunder. Und alles gelassen nehmen und auf das Bauchgefühl vertrauen ist das Beste – und wie ich lesen kann – macht ihr das 🙂

    Alles Liebe
    Tanja

    • Madeleine Sophie
      Autor
      7. Oktober 2019 / 17:27

      Ich danke dir vom Herzen für deine Worte ! ♡

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