Stadttraining – Vorbereitung auf den ersten Urlaub

Vorgeschichte

Fünf Jahre ist der Bube nun alt und ich habe es bisher nicht geschafft, mit ihm in den Urlaub zu fahren. Ob geschafft, hier das richtige Wort ist, ist auch eine andere Frage. Es war vermutlich eher die Angst, dass es für Hund und Halter eher Stress als Urlaub werden würde. Mangelnde Leinenführigkeit und die unglaubliche Neugierde des Hundes, machten die Entscheidung nicht immer gerade einfach. Das ich daran schlichtweg schuld war, ist mir äußerst bewusst.

Aber man wächst mit seinen Aufgaben und nachdem meine Mutter mir bereits gezeigt hat, dass es durchaus möglich ist mit dem kleinen Pöbler in den Urlaub zu fahren oder sogar auf einen Weihnachtsmarkt zu gehen – ja, meine Mutter ist sehr unerschrocken bei solchen Themen – bin ich meinem Mann mit diesem Thema nun sicherlich mind. 2 Jahre auf die Nerven gegangen.

Im Juli soll es nun also losgehen. Ein Kurztrip. Erstmal ein wenig die Urlaubsluft mit Hund schnuppern, bevor wir uns ins richtige Getümmel stürzen. Aber ich will vorbereitet sein. Wir sind in einer Kleinstadt aufgewachsen, Autos, Lkws und Fahrradfahrer kennt der Hund und diese sind nicht das Thema. Mittlerweile leben wir in einem kleinen Dörfchen. Am Tag treffe ich zu Bestzeiten drei Hundehalter und zwei Schulkinder, auf dem Weg zum Bus. Erkennt jemand das Problem? Die Reizlage ist händelbar und eine Großstadt wäre ein Kulturschock.

 


Vorbereitung

Vor ca. 2 Jahren, als ich mit dem Longieren begonnen habe, wagte ich bei der Hundetrainerin ein paar Einzelstunden, um ein wenig Unterstützung zu bekommen. Den Einzelstunden folgte ein Stadttraining mit mehreren Hundebesitzern. Ich war an diesem Tag mal wieder viel zu spät dran und hetzte mit Buddy zum Treffpunkt. Eigentlich war das Stadttraining für die Katz, so dachte ich. Komischerweise passierte genau das Gegenteil. Mein Hund war perfekt bei mir, andere Hunde wurden ignoriert und die Bank mit der Schiebetür und der löchrigen Fußmatte wurden ohne Angst pariert. Huch, was war denn hier passiert? Fand in den letzten Jahren doch eine Erziehung statt? Der kleine Kerl überrascht mich immer wieder.

Könnt ihr euch vorstellen, wie oft ich mir vorgenommen habe, mich mit dem Auto auf einen Parkplatz und offener Heckklappe zu stellen oder in einen Park zu fahren und Ruheübungen zu machen? Es ist hiermit offiziell – ich bin dafür zu unruhig und zu faul.

Ich merkte also durch das erste Stadttraining, der Junge kann das! Diese eine Stunde gab mir den Auftrieb und das fehlende Selbstbewusstsein, das Ganze auch alleine durchzuziehen. Ich habe also damit begonnen erst einmal klein anzufangen und das langsam von Stadt zu Stadt aufzubauen. Damit der Spaß nicht ausbleibt, setzen wir uns nach jedem Stadttraining ein Ziel. Wir genießen zum Ende meistens ein Eis in der Eis-Diele oder eine Pizza beim Italiener und der Hund hat noch eine zusätzliche Ruheübung mit Ablenkung. Außerdem darf der Spaß an der ganzen Sache für uns ja nicht fehlen.

  

Rückschläge

So perfekt, wie es sich meistens anhört, ist es dann doch nicht. Buddy benötigt oftmals 20-30 Minuten, bis er sich ausgeschnüffelt und an die Umgebung gewöhnt hat. Hunde werden in dieser Zeit auch mal angebellt und der Baum in 50m wartet sehnsüchtig darauf markiert zu werden. Ja, er zieht mich dann mit seinen 25 kg Eigengewicht urplötzlich zum Baum. In dieser In dieser Zeit hilft nur – Ruhe bewahren.

Der Hund hat eine neue Reizlage und muss sich auch erstmal an die völlig fremden Gerüche gewöhnen. Und wer kennt das nicht, andere Menschen machen einem das Leben zusätzlich schwer. Ihr glaubt nicht wie oft Buddy schon von fremden Menschen angefasst wurde. Egal, ob wir gerade ein Restaurant verlassen und die Gäste plötzlich ihre Hand ausstrecken oder wir in einer Schlange auf unser Eis warten. Teilweise werden wir richtig bedrängt. Hier muss der Hundehalter reagieren und seinem Hund den nötigen Schutz bieten. Da ich kein Konfrontationsmensch bin, behelfe ich uns anders und mache einfach so weit wie es geht einen Bogen um die Tische, gehe Umwege oder stelle Buddy gezielt hinter mich, so dass bestenfalls hinter ihm eine Mauer oder eine Wand ist. Zumindest so, dass die Menschen keine Chance haben, meinen Hund zu bedrängen.

Auch schön sind die Menschen die anfangen zu schnalzen, pfeifen oder sonstige Geräusche von sich geben, um den Hund zu einem zu locken oder eine Aufmerksamkeit zu erhaschen. Welches Ziel diese verfolgen, habe ich leider noch nicht herausgefunden. Gegen diese Menschen sind wir machtlos. Ich nicke freundlich, lege meinen Hund wieder hin und denke mir meinen Teil. Es bringt nichts, sich darüber aufzuregen. Sie verfolgen ja keine bösen Absichten.

  

Meine 10 Tipps für das Stadttraining

1. Eine Grundbasis aus Leinenführigkeit, festem Sitz und Platz sollte bestehen.

2. Fangt klein an! Geht erstmal nur einen kleinen Weg durch die Stadt, fahrt abends hin, wenn die Geschäfte zu haben oder sucht euch ruhigere Ecken.

3. Sucht auf dem Weg in die Stadt einen Weg zum Lösen, bevor das Training startet. Wir halten dazu oft im Wald oder auf einem Feldweg an.

4. In der Ruhe liegt die Kraft. Wie soll euer Hund sich entspannen, wenn ihr selbst nicht entspannt seid? Gebt euch beiden kurz die Zeit, euch zu sammeln und startet das Training gemeinsam. Stress tut niemandem gut.

5. Plant genügend Zeit ein. Siehe Punkt 4. Stress tut niemandem gut.

6. Notfallleckerli! Ich nehme grundsätzlich ein paar Leckerlis mit, obwohl wir fast ohne trainieren. So bekommt ihr im Notfall die Aufmerksamkeit zurück. Cheaten ist erlaubt.

7. Habt bestenfalls etwas zu trinken dabei, gerade bei wärmeren Temperaturen. Leider hat erfahrungsgemäß nicht jedes Restaurant etwas Wasser für die Hunde.

8. Nutzt die verschiedenen Reizlagen. Geht auch mal durch eine Schiebetür, in die Bank, einen Fahrstuhl oder durch das Einkaufszentrum.

9. Setzt euch irgendwo hin, legt den Hund ab und lasst die Eindrücke auf euch wirken. Zeig dem Hund, dass es nichts Außergewöhnliches ist und dass man auch zwischen vielen Menschen entspannen kann. Fokussiere dich dabei nicht nur auf den Hund, vertraue ihm – du hast die Leine doch in der Hand.

10. Beschütz deinen Hund. Sucht euch im Restaurant oder Café ruhigere Ecken, haltet ihn auf der Straße auf der abgewandten Seite und wenn euer Hund entspannt, haben Kinder- und Erwachsenen-Hände bei ihm nichts zu suchen. Wie soll euer Hund entspannen, wenn er sich daran gewöhnt, dass andere ihn streicheln oder ansprechen?


Ich freue mich jetzt schon darauf, euch im Juli berichten zu können, wie unser erster gemeinsamer kleiner Kurztrip mit Buddy war. Habt ihr bereits einen Urlaub mit Hund hinter Euch oder geplant? Wie sind Eure Erfahrungen?

2 Kommentare

  1. Du sprichst mir aus der Seele. Wir haben eher das Problem mit den Menschen, als Probleme mit dem Zwerg. Ganz besonders toll ist es dann, wenn der Hund noch ein wenig aufgeregt ist und ohnehin wie ein Grashüpfer in den Welpenwahn verfällt und Passanten anfangen zu quieken, locken und komische Babygeräusche von sich zu geben. Ich weiß nicht mehr, wie viele Personen ich schon ermahnt habe und wie viele Personen sich dann patzig abgewendet haben. Ich ziehe dann immer gern den Vergleich zu Muttis mir Kinderwagen – da geht ja auch nicht einfach einer hin oder qiekt wild 😂🤷🏼‍♀️ Wir arbeiten uns fleißig von Situation zu Situation und machen es fast wie ihr – eine kleine Löserunde vor ab & dann geht’s auf Entdeckungstour. Außerdem haben wir immer eine „Hundetasche“ mit. Wasser + Napf (bzw. Kombi aus beidem), Mistbeutelchen, eine Decke von zu Haus, ein Spielzeug und was zum Kauen. Wenn’s etwas weiter weg geht oder wir im Anschluss noch über eine Mahlzeit „verreisen“ haben wir auch eine Dose mit Trockenfutter mit. Die Sachen wandern nach jedem Ausflug wieder in die Tasche – super praktisch!

    1. Solche Menschen braucht doch wirklich keiner, oder? Leider wird man immer wieder mit solchen Rückschlägen zu kämpfen haben, da hilft nur Ruhe bewahren. Die Hundetasche ist ein wirklich guter Tipp! Manchmal kann man ja gar nicht planen, wie lange man unterwegs ist, da ist vor allem das Trockenfutter mehr als hilfreich. Danke dafür :-).
      Lg, Madeleine

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