SSW 40. & plötzlich bist du da.

SSW 40. & plötzlich bist du da.

7 Tage vor dem Stichtag. Es war der 05.09.2019.

Bereits am vorherigen Tag, der mit stärkeren Unterleibschmerzen bepackt war, machte ich mir Gedanken darum, wie sich Wehen wohl anfühlen. Was ist, wenn man diese falsch deutet? Gar verpasst? Kaum vorstellbar wie sich solche „Intervalle“ anfühlen müssen. „Du wirst es nicht verpassen“, meinte meine Mutter. „Hättest du die richtigen Wehen, dann könnten wir uns nun nicht unterhalten.“

Noch kurz bevor wir in die Stadt fuhren, war ich mir sicher, den Schleimpropf gesehen zu haben. Ein komisches Gefühl zog sich den ganzen Tag durch meinen Körper.

Auch am nächsten Morgen begleiteten mich die Unterleibschmerzen. Und was, wenn es doch Wehen sind? Ich erinnerte mich an die Gespräche mit meinen Freundinnen. Um Wehen zu fördern soll man putzen oder spazieren gehen. Was ist, wenn es nun doch losgeht? Oh Gott. Die Fenster, das Haus,… alles sieht nicht vorbereitet aus. Ich bin nicht vorbereitet. Zudem war es der Jahrestag von mir und meinem Mann. Wir wollten am Abend zusammen Essen gehen. Vielleicht ein letztes Mal zu zweit.

Ich beschloss also eine To-Do Liste zu erstellen. Der Nestbautrieb hatte wieder eingesetzt. Spazieren gehen, Aufräumen, Waschen, Putzen, Saugen, Fenster putzen,… Nach der Hälfte und immer dolleren Unterleibschmerzen wollte ich noch mein Lieblingsgericht kochen. Eine Möhrensuppe mit Ingwer und Kokosmilch. Gesättigt stand ich danach auf und merkte plötzlich ein warmes Gefühl im Schritt. Das ist doch nicht…? Es war 16:00 Uhr.

Ich rannte auf die Toilette und konnte es immer noch nicht einordnen. War es das nun? Der Sprung der Fruchtblase? Im Geburtsvorbereitungskurs wurde uns gesagt, dass wir dann direkt ins Krankenhaus fahren sollte. Infektionsgefahr! Mein Mann war jedoch auf der Arbeit, bräuchte noch mindestens 1 1/2 Stunden nach Hause. Und was ist, wenn es doch ein Fehlalarm ist? Ich wurde nervös. Lief auf und ab. Und schrieb dann doch meinem Mann eine Nachricht.

„Meinst du, du könntest jetzt schon Feierabend machen? Ich will jetzt echt kein Fehlalarm auslösen. Also kein Stress. Wäre nur vielleicht besser, wenn du vorsichtshalber losfährst.“

Die Wehen setzten circa eine halbe Stunde später ein. Und ja. In dieser einen Minuten mit Abstand von acht Minuten konnte ich nicht reden, nur atmen. Meine Mutter bekam ich zunächst nicht erreicht. Jemand musste sich doch um den Hund kümmern. Niemand war vorbereitet. Ich war nicht vorbereitet.

Circa zwei Stunden später war endlich mein Mann da und ich wurde immer nervöser. Meine Mutter hatte ich zwischenzeitlich erreicht. Wir fuhren los. Der Abstand der Wehen verkürzte sich auf 4,5 – 5 Minuten. Drei Stunden nach Sprung der Fruchtblase waren wir im Krankenhaus. Ich wurde an das CTG geschlossen, die Herztöne wurden überprüft. Der Muttermund war erst 1 cm geöffnet.

Die Wehen wurden stärker – unterträglicher. Ich hatte zu wenig getrunken, bekam eine Infusion, übergab mich mehrmals. Konnte keine einzige Wehe mehr ohne Krampfanfälle veratmen. Paracetamol half nicht. Ich brauchte eine PDA. Anschließend schwebte ich auf Wolke 7. Die PDA half und ich konnte wieder atmen, tatsächlich sogar einige Minuten entspannen.

Es war kurz vor 11, als die Hebamme mich untersuchte und sagte, dass wir in einer halben Stunde zusammen „arbeiten“ werden. Um 23:55 Uhr war er da. An dem Jahrestag von mir und meinem Mann. Plötzlich, schmerzhaft und schnell.

Leider hatte er Atemprobleme. Ich durfte ihn halten und anlegen. Doch dann wurde er mir wieder genommen und überprüft. Niemand redete mit uns, alles geschah so schnell. Man orderte Kinderärzte aus einer anderen Klinik an, wir hatten uns für eine kleinere Klinik ohne Kinderstation entschieden.

Sie sagten, dass sie unseren Sohn mitnehmen werden. Mich könnte man nicht mitverlegen, es läge keine Notwendigkeit vor. Ich könnte mich ambulant entlassen, hinterher fahren. Aber wie? Ich hatte Schmerzen. In meinem Rücken befand sich die PDA. War benommen, kraft- und hilflos.

Ich war in Schockstarre. Konnte nicht reden, nicht weinen. Sah lediglich zu meinem Sohn, wie er auf einem Tisch beatmet wurde, wie ihm Schleim aus der Nase gesaugt wurde. Sie schlossen ihn an Geräte. Die Sättigung war nicht gut.

Minuten und Stunden vergingen. Die Kinderärzte waren da. Wir konnten nur noch hoffen und beten, dass sie unser Kind nicht mitnehmen.

Später kam die erlösende Nachricht. Sie lassen ihn bei uns, seine Werte haben sich gebessert. Er soll auf unserem Bauch schlafen, kann sich dort regulieren und er soll 48 Stunden überwacht werden. Ich dankte Gott. Dankte Gott auch Tage danach noch mehrfach, dass er kerngesund mit einem kleinen Schreck davon gekommen ist.

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