Schwanger in Ägypten – Mein Reisebericht

Schwanger in Ägypten – Mein Reisebericht

Der Urlaub war gebucht und bezahlt. Circa einen Monat vorher haben wir festgestellt, dass ich Schwanger bin. Urlaub absagen oder trotzdem fliegen? Wir haben uns für letzteres entschieden. Ihr auch? Dann erzähle ich euch heute, wie es für uns war.

Zum Antritt der Reise war ich circa im vierten Monat schwanger. Einen Bauch konnte man bestenfalls erahnen. Gesundheitlich ging es mir jedoch bestens. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte ich es mir vermutlich noch überlegt.

Vorbereitung

Schnellstmöglich haben wir zunächst noch eine Reiserücktritts- sowie Reiseabbruchsversicherung abgeschlossen. Natürlich ist es ausgeschlossen, die Reise aufgrund der Schwangerschaft absagen zu können, sofern man es bereits vor Antragsstellung wusste. Dennoch sind in vielen Policen sog. Schwangerschaftskomplikationen versichert. Dies sollte man in jedem Fall überprüfen.

Bevor die Reise losging habe ich mich mit meiner Frauenärztin besprochen, ob eine Reise bedenkenlos angetreten werden kann. Wir bekamen grünes Licht.

Meine Reiseapotheke bestand aus meinen Eisen-Tabletten, die ich vom Frauenarzt verschrieben bekam und Paracetamol. Diese führte ich im Handgepäck mit. Sofern ich eine Magenverstimmung bekommen würde, hätte ich mich an eine Apotheke vor Ort gewandt. In diesem Fall werden jedoch auch Kohletabletten empfohlen. Auch in Ägypten bekommen die Frauen Kinder, vergesst das nicht. Vorab lohnt es sich auch zu schauen, wo sich im Notfall der nächste Arzt oder das nächste Krankenhaus befinden würde. Sicher ist sicher.

Ansonsten haben wir uns nicht groß vorbereitet und alles auf uns zukommen lassen. Oft wird noch geraten einen Platz im Flugzeug am Gang zu nehmen, damit man die Beine ausstrecken und sich bewegen kann oder Thrombosestrümpfe zu tragen.

Bei einer Fortgeschrittenen Schwangerschaft sollte in jedem Fall abgeklärt werden, ob die Fluggesellschaft einen mitnimmt. Ich wurde nicht gefragt und habe meine Schwangerschaft auch nicht erwähnt, da ich mich ja erst im Frühstadium befunden habe.

Die Reise

Die Reise startete mit einer Flugverspätung von 6,5 Stunden. Die Maschine war defekt und musste ausgetauscht werden. Wir verbrachten diese Zeit im Flughafen, bekamen Essensgutscheine und versuchten uns die Zeit mit dem Ipad zu vertreiben. Ich bin ehrlich. Hätte ich einen größeren Bauch gehabt, wäre ich hier bereits an meine Grenzen gestoßen. In Frankfurt folgte dann noch eine Zwischenlandung, weil die Crew ausgetauscht werden musste.

In Ägypten, am Flughafen Hurghada angekommen gibt es einige Dinge zu beachten:

1. In Ägypten müsst ihr noch euer Visum kaufen. Bitte geht zum ersten Schalter, der dort steht und wo sich bestenfalls bereits eine Menschentraufe sammelt. Leider werben Ägypter mit den Reise- oder Fluggesellschaften und locken euch mit Rufen zu sich. Diese nehmen allerdings 5-10 Euro mehr für das Visum. Hört auf die Ansagen der Lautsprecher. Dort wird genau erklärt, wie viel das Visum kostet. Und mehr solltet ihr auch nicht zahlen.

2. Vor den Toiletten, Fahrstühlen oder Gepäckbändern stehen ebenfalls Landsleute und halten die Hände auf, um Trinkgeld zu fordern, weil sie euch einen Knopf drücken, die Tür aufhalten oder das Gepräck tragen. Ironischerweise kommen auch hier Durchsagen, dass die genannten Dinge nichts kosten. Man versucht euch abzuzocken. Und der Flughafen warnt sogar selbst indirekt davor.

3. Auch bei den Bussen, die euch zu den Hotels bringen, stehen Ägypter und tragen euch die Gepäckstücke in den Bus. Auch hier wird die Hand aufgehalten. Ihr könnt, müsst aber kein Trinkgeld geben. Achtung jedoch davor, wenn diese ihr Kleingeld in Scheine tauschen wollen, da diese mit Kleingeld nichts anfangen können. Oftmals befindet sich unter dem Kleingeld ägyptische Pfund. Und diese sind weniger wert als Euro.

Letztendlich haben wir unseren ersten Tag verloren, bekamen im Anschluss der Reise jedoch eine Großzügige Rückerstattung. Um circa 23 Uhr waren wir im Hotel und gingen direkt ins Bett. Ohne Essen. Glücklicherweise hatten wir im Handgepäck noch Proviant.

Für Februar hatten wir leider nicht das beste Wetter erwischt. Der Pool unserer Anlage war jedoch beheizt, so dass wir trotzdem baden gegangen sind. Von 7 Tagen hatten wir jedoch lediglich 3 Tage, wo wir ohne Decke am Pool liegen konnten. Ein starker Wind sorgte für eine ungemütliche Atmosphäre. Letztendlich war ich doch ganz froh, dass wir kein stehende Hitze hatten. So litt ich wenigstens nicht unter den Temperaturen.

Das Essen stellt oft die meiste Herausforderung in der Schwangerschaft und auch in Ägypten dar. In erster Linie ist es wichtig, dass das Hotel gute Bewertungen für das Essen bekommen hat und generell gut ist. Ansonsten leidet man wohl gern mal unter dem sogenannten Fluch des Pharao und der Urlaub endet auf der Toilette. Folgendes solltet ihr beachten:
Kein Wasser aus dem Wasserhahn oder Automaten, keine Eiswürfel im Getränk, bestenfalls frisch zubereitetes oder durchgegartes Essen, Obst selbst schälen, kein Salat von der Salatbar, kein Eis und Vorsicht bei den Süßspeisen.

Wir hatten ziemliches Glück mit unserem Hotel. Wasser gab es generell aus kleinen geschlossenen Plastikflaschen, die Getränke waren daher auch ohne Eis, das Obst konnte ich generell selbst schälen und das Essen wurde oft frisch im Restaurant zubereitet. Auch an das Eis kam man nicht selbst heran. Eine Kellnerin gab es auf Anfrage heraus. Wir haben den Urlaub ohne Magenbeschwerden genießen können. Und am letzten Tag gönnte ich mir sogar ein Eis.

Den gesamten Urlaub verbrachten wir weitestgehend am Pool. Wir haben uns nicht wirklich getraut, die Anlage zu verlassen. Ihr müsst wissen, dass die meisten Anlagen für sich geschlossen sind. Lange Spaziergänge am Strand sind nicht möglich und vor den Hotels sorgen bewaffnete Wachen für deine Sicherheit. Ich fühlte mich aufgrund des Eisenmangels leider auch den gesamten Urlaub über ziemlich erschlagen und war dauerhaft müde. Abends gab es für mich nur noch das Bett und weitere Abendveranstaltungen fielen für uns daher auch aus.

Ausflüge wollte ich aufgrund der Schwangerschaft auch nicht unternehmen und diese war demnach auch die beste Ausrede, wenn die Ägypter mit ihren Angeboten an deine Liege kamen. Es gab zum Glück noch eine weiße Flagge, die man vor seine Liege stellen konnte und so blieb man von Ansprachen und Angeboten verschont. Die Ägypter verdienen damit ihr Geld und es ist nichts verwerfliches daran. Jedoch wird es nach dem drittem Tag nervig, wenn alle halbe Stunde ein Ägypter dich in ein Gespräch verwickeln möchte.

Die Rückreise war dann das eigentliche Problem. Noch bevor wir in den Flughafen gehen konnten, mussten wir uns bereits circa eine halbe Stunde lang einer Sicherheitskontrolle unterziehen. Gepäck und Passagier wurden durchleuchtet. Anschließend gingen wir an den Check-In Schalter und wollten zum Gate. Bestimmt 3-4 Mal mussten wir unsere Reisepässe vorzeigen. Zum Gate folgte dann die nächste Sicherheitskontrolle, in der wir circa 1-1,5 Stunden warteten. Der Ansturm ließ sich kaum bewältigen und das reinste Chaos brach aus. Mein Kreislauf verabschiedete sich mit jeder Minute und ich war froh, als wir endlich durch waren. Vermutlich hatten wir an diesem Tag einfach Pech, es gab nur eine Schlange in der Sicherheitskontrolle für Frauen. Unser Handgepäck wurde zuletzt auch noch einmal komplett ausgepackt, bevor wir endlich am Gate ankamen und durchatmen konnten.

Versteht mich nicht falsch. Ich finde es super, dass man so viel Wert auf die Sicherheit am Flughafen legt. Doch ich weiß nicht, wie gut ich das durchgestanden hätte, wenn ich Hochschwanger gewesen wäre.

Fazit

Schwanger in Ägypten? Ja, ich würde es wieder tun. Letztendlich gibt es für mich schönere Länder, wo ich gern meinen Urlaub verbringen würde. Doch oft ist Ägypten eine günstigere Alternative, mit Schönwettergarantie. Zumindest meistens. Sofern es nur darum geht, mal die Füße hochzulegen, den Alltag auszublenden und die Seele baumeln zu lassen, ist Ägypten für mich definitiv eine Reise wert.

Erwarte ich jedoch Action und möchte noch einiges erleben, würde ich mir lieber einen anderen Ort suchen. Viele Menschen raten aufgrund der Hygiene oder der Lebensmittel von einem Ägyptenurlaub, gerade in der Schwangerschaft, ab. Ich habe hier jedoch nichts beanstanden können. Die Räume und Orte waren sauber, die Menschen waren sehr freundlich und zuvorkommend und gerade beim Essen wird in guten Hotels sehr aufgepasst.

Später als im zweiten Trimester würde ich allerdings von einer Reise nach Ägypten abraten. Einfach so aus dem Bauchgefühl heraus. Und, weil bei uns und unseren Flügen einfach so viel schief gelaufen ist.

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