Longieren mit Hund

Moment, Longieren? Ein Pferd, oder was?

Nope, es gibt tatsächlich eine Hundesportart, die das Longieren quasi abkupfert, nur mit Hunden. Dazu möchte ich gerne etwas erzählen. Wieso ich das tue und was das überhaupt ist.

Euch ist sicherlich nicht entgangen, dass mein Hund ein Australian Shepherd ist. Eine Rasse die gezüchtet wurde, um Schafe zu hüten. Sprich, es sind Arbeitshunde. Entgegen vieler Meinungen, bin ich jedoch der Meinung, dass man diese Rasse aber auch überfordern kann. Ich glaube, kein Bauer dieser Welt hat sich so viel mit ihren Hütehunden beschäftigt, wie es leider einige tun und damit übertreiben. Für das Hüten mussten sie fit sein und funktionieren, den Rest des Tages ruhten sie sich aus. Ja, diese Hunde muss man auslasten, aber vielmehr geht es hier, um die geistige Auslastung. Denn der Australian Shepherd ist schlau, tut alles um dir zu gefallen und lernt unglaublich gerne.

Mir war es wichtig etwas zu finden, was Buddy also nicht zu sehr hetzen lässt und eine Hundesportart, die unsere Beziehung stärkt. Der Bursche hat sowieso schon unglaublich viel Energie und eine geringe Frustrationstoleranz, ich wollte diese Energie kontrollieren und ihn lenken können. Außerdem finde ich, dass das Longieren dem Hüten ähnelt. Buddy achtet hier ebenfalls auf meine Körpersprache und Signale. Mein Weg führte schließlich in eine Hundeschule, die das Longieren für Hunde angeboten hat.

Beim Longieren geht es um ein Gespräch zwischen Mensch und Hund. Und da ich sowieso ein Befürworter bin, mit dem Hund körpersprachlich zu kommunizieren, anstatt ihm unsere Sprache aufzudrängen, hörte sich das ganz gut an. Der Hund lernt hier auf seinen Menschen zu achten, auf dessen Körpersprache zu vertrauen und sich leiten zu lassen. Er lernt Grenzen und Tabuzonen zu akzeptieren und all das wirkt sich im alltäglichen Umgang mit ihm positiv aus. Auch können hier grundlegende Kommandos trainiert werden, wie einfache Verhaltensregeln, die im Alltag häufig gebraucht werden.

Kurz und knapp – Die Hunde laufen mit oder ohne Leine entlang eines abgesteckten Longierkreises und müssen dabei verschiedene Kommandos befolgen, Übungen ausführen und Sichtsignale erkennen. Dabei geht es mal schneller und mal langsamer zu. Auch das kontrolliert man.

Wer das Interesse nun noch nicht verloren hat, darf gerne weiterlesen, denn nun gehen wir tiefer in die Materie.


Der Einstieg
Zunächst wird der Hund an einer Leine an den Longierkreis geführt. Die Absperrung kann hier mit Absperrband oder wie bei uns z.B. mit einem Drainagerohr aufgebaut werden. Im Kreis wird er je nach gewünschter Richtung mit Namen und dem linken oder rechten Bein angesprochen und in die gewünschte Richtung geführt. Der Blick wandert immer einige Meter voraus, der Hund wird nicht angesehen. Am besten hilft euch jemand, um die fehlenden Augen am Hinterkopf zu ersetzen ;-). Wir trainieren ohne Leckerlis, sondern nur mit Körpersprache und Lob. Tritt der Hund nun in den Longierkreis, wird dieser körpersprachlich wieder rausgeschickt. Schafft er ein paar Meter oder eine Runde, ohne in den Kreis zu treten, wird er nach vorne gelobt. Irgendwann wird die Distanz zum Hund aufgebaut, dreht hier als Hilfe den Oberkörper immer weiter in den Kreis.

Richtungs- und Tempowechsel
Damit der Hund nicht immer in die gleiche Richtung läuft und, um eine einseitige Belastung zu vermeiden, sind Richtungswechsel sinnvoll. Auch, um die Konzentration zu stärken. Dazu spricht ihr den Hund ggf. wieder an und wechselt die Richtung. Sofern Ihr das Tempo verlangsamen wollt, spricht ihr den Hund ebenfalls an und werdet langsamer und lehnt euch ggf. ein wenig zurück. Das gleiche macht ihr, wenn er schneller werden soll. Ansprechen, nach vorne lehnen und das Tempo erhöhen.

Beenden
Ihr solltet anfangs den Hund nicht überfordern. Einzelne Runden sind wirklich anstrengend für den Hund. Macht nach ca. 5 Minuten eine Pause und achtet auf ihn. Passieren immer mehr Fehler und die Konzentration lässt nach, gönnt ihm ebenfalls eine Pause oder arbeitet am nächsten Tag weiter. Um den Hund zum Stehen zu bringen, wendet ihr euch ihm abrupt zu. Sobald ihr die Spannung löst, darf der Hund auch in den Kreis treten und erstmal richtig durchgeknuddelt werden. Belohnung muss sein!

Im fortgeschrittenen Kurs lernen wir, den Hund an Gegenständen vorbei gehen zu lassen, über Hindernisse zu springen, mehrere Kreise aufzubauen und diese zu wechseln, die Ansprache über mehrere Kreise auszuführen und die Distanz immer weiter aufzubauen. Der Fantastie und den Möglichkeiten sind hier keine Grenzen gesetzt.



Ich kann jedem nur empfehlen, dafür in eine Hundeschule zu gehen oder an einem Kurs teilzunehmen. Ich habe anfangs auch versucht, nach Büchern oder Videos zu trainieren und kam schnell an meine Grenzen. Der Longierkreis war viel zu klein, die Kommandos kamen nicht deutlich an und ich wollte wieder viel zu schnell viel zu viel.

In der Hundeschule bauen wir uns den Kreis und die Entfernung in ganz kleinen Schritten auf und jeder noch so kleine Schritt ist ein Erfolg. Es geht darum den Hund zu fordern, aber nicht zu überfordern. Es gibt keinen Wettkampf, es geht um dich und deinen Hund. In einer Stunde bin ich vllt. 3-4x mit Buddy an der Reihe, aber das reicht ihm völlig. Es ist für ihn super anstrengend, aber er macht das absolut klasse.

Ich kann diese Hundesportart wärmstens empfehlen und hoffe auch bei anderen, das Interesse daran geweckt zu haben.

 

Was macht Ihr für Hundesportarten und warum?

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