Krankschreibung in der Schwangerschaft. Wichtige Fakten.

Krankschreibung in der Schwangerschaft. Wichtige Fakten.

Aufgrund einer psychischen Erkrankung war ich mehrere Monate in der Schwangerschaft krank geschrieben. Was danach folgte war viel Bürokratie, Unwissenheit und unzählige Anrufe. Anders als bei einem Beschäftigungsverbot hat es eine Krankschreibung leider wirklich in sich. Daher möchte ich mein Wissen mit euch teilen und euch informieren, was bei einer Krankschreibung alles zu beachten und zu tun ist.

Ich bin allerdings weder Steuerberaterin, Rechtsanwältin o.ä. Daher sind alle Angaben ohne Gewähr!

Krankschreibung

In der Schwangerschaft gilt keine andere Regelung, wie in dem Normalfall. Das bedeutet, du erhältst nach 6 Wochen Krankschreibung ein Krankengeld von deiner Krankenkasse.

Das Krankengeld beträgt ca. 70 % deines Bruttogehaltes. In dieser Zeit entfallen auch die Krankenkassenbeiträge. Oftmals bieten Krankenkassen online einen sog. Krankengeld-Rechner an, falls du vorab wissen möchtest, was finanziell auf dich zukommt.

Deine Krankenkasse wird dich schriftlich oder telefonisch kontaktieren, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Auch dein Arbeitgeber erhält ein Schreiben, wo er dein Bruttogehalt angeben muss. Von der Krankenkasse erhältst du dann schriftlich Anweisungen und die Berechnung deines täglichen Krankengeldes.

Du musst dann fortlaufend und schnellstmöglich deine Krankschreibungen bei der Krankenkasse einreichen, damit du pünktlich dein Krankengeld erhältst. Da die Krankschreibungen höchstens für 2-3 Wochen am Stück geschrieben werden dürfen und die Krankenkasse dann ja nicht weiß, ob du noch weiterhin krankgeschrieben bist, kann es sein, dass du am 1. des Monats vielleicht mal etwas weniger oder unregelmäßiger Geld erhältst. Im nächsten Monat folgen dann wieder die restlichen Tage des vorherigen Monats.

Unterbrechung der Krankschreibung

Solltest du öfter wegen derselben Krankheit krankgeschrieben werden, werden diese Tage addiert und auch nach erreichen der 6 Wochen Krankengeld gezahlt.

Sofern du vor dem Mutterschutz wieder arbeiten gehst, wird dein normales Gehalt wieder von deinem Arbeitgeber bezahlt.

Auswirkung auf das Mutterschaftsgeld

Frühestens sieben Wochen vorher erhältst Du von Deinem Arzt oder Deiner Hebamme eine Bescheinigung über den mutmaßlichen Entbindungstermin in zweifacher Ausführung – eine für Deinen Arbeitgeber und eine für die Krankenkasse. Für die Krankenkasse muss ein zusätzliches Formular ausgedrückt, ausgefüllt und unterschrieben eingereicht werden. Dem Arbeitgeber reicht die einfache Ausführung.

Eine Krankschreibung mit Krankengeld hat keine Auswirkung auf das Mutterschaftsgeld. Folgenden Paragraphen solltet ihr dazu aus dem Mutterschaftsgesetz kennen:

§20 MuSchG: Eine Frau erhält während ihres bestehenden Beschäftigungsverhältnisses für die Zeit der Schutzfristen vor und nach der Entbindung sowie für den Entbindungstag von ihrem Arbeitgeber einen Zuschuss zum Mutterschaftsgeld. 2Als Zuschuss zum Mutterschaftsgeld wird der Unterschiedsbetrag zwischen 13 Euro und dem um die gesetzlichen Abzüge verminderten durchschnittlichen kalendertäglichen Arbeitsentgelt der letzten drei abgerechneten Kalendermonate vor Beginn der Schutzfrist vor der Entbindung gezahlt. 3Einer Frau, deren Beschäftigungsverhältnis während der Schutzfristen vor oder nach der Entbindung beginnt, wird der Zuschuss zum Mutterschaftsgeld von Beginn des Beschäftigungsverhältnisses an gezahlt.

Wichtig ist hierbei, dass es sich bei der Berechnung um die letzten drei abgerechneten Monate des Arbeitsentgeltes handelt. Und dabei ist es egal, ob vor dem Mutterschutz Krankengeld oder sogar Elterngeld durch ein vorheriges Kind gezahlt wurde. Ihr erhaltet euer volles Mutterschaftsgeld.

13 Euro pro Tag wird von der Krankenkasse als Einmalzahlung vorab für die 6 Wochen vor dem Stichtag gezahlt und nach Entbindung für die 8 Wochen danach. Sollte das Kind zu spät oder zu früh geboren werden, wird es entsprechend verlängert. Es darf einem dadurch kein Nachteil entstehen. Vom Arbeitgeber erhaltet ihr wie gewohnt zum Monatsende bis Ende des Mutterschutzes den Aufstockungsbetrag bis zum bisherigen Nettogehalt.

Auswirkung auf das Elterngeld

Elterngeld kann frühestens nach der Geburt des Kindes beantragt werden. Ein entsprechendes Formular mit den letzten 12 Verdienstbescheinigungen sowie der Geburtsurkunde, muss an die zugehörige Elterngeldstelle verschickt werden.

Eine Krankschreibung mit Krankengeld hat Auswirkung auf das Elterngeld. Für das Elterngeld wird dein durchschnittliches Nettogehalt der letzten 12 Monate vor Entbindung berechnet. Sofern du jedoch Krankengeld erhalten hast, werden diese Monate mit 0 Euro berechnet. Entsprechend weniger Elterngeld erhältst du.

Du hast jedoch die Möglichkeit, diese Monate ausklammern und die 12 Monate vor deiner Krankschreibung zur Berechnung hinzuziehen zu lassen. Dies ist der Fall, wenn du ein Attest vom Arzt vorlegen kannst, dass deine Krankschreibung schwangerschaftsbedingt war. Der Grund oder eine ausführliche Erklärung ist dabei nicht notwendig.

Sofern du ein Nebengewerbe betreibst, gilst du als Selbstständig. In diesem Fall werden nicht die letzten 12 Monate, sondern das letzte Kalenderjahr für die Berechnung hinzugezogen.

Hilfe

Bei finanziellen oder generellen Schwierigkeiten in der Schwangerschaft gibt es viele Anlaufstellen, die dir helfen können. Suche in deiner Nähe nach Diakonien, profamilia oder frag deine Hebamme oder Frauenärztin.

Auch deine Krankenkasse kann dir weiterhelfen und ein Anruf sollte auf jeden Fall erfolgen. Die Grenze für ein Beschäftigungsverbot ist fließend. Ein Beschäftigungsverbot kann der Frauenarzt oder der Hausarzt ausstellen.

Ich hoffe ich konnte euch hiermit ein wenig weiterhelfen. Lange habe ich nach genau diesen Antworten gesucht, denn Krankenkassen, Steuerberater und Arbeitgeber waren teilweise ratlos. Auch im Internet fand ich in Foren lediglich Vermutungen.

Das Geld sollte bei der eigenen Gesundheit nie im Vordergrund stehen. Die Suche nach diesen Antworten, die Ungewissheit, hat nicht gerade in der Schwangerschaft zu meiner Genesung beigetragen. Anders wie bei einem Beschäftigungsverbot, also einer schwangerschaftsbedingten Erkrankung oder, wenn Mutter und Kind durch die Arbeit oder einer außergewöhnlichen Belastung bedroht sind, bringt eine Krankschreibung leider viele Nachteile mit sich.

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