[Blogroman] Joel und Emelie 3

Vor fast 2 Jahren fand urplötzlich ein Umbruch statt. Ich hatte es gar nicht mitbekommen, so leise schlich sich dieses Chaos ein. Im dritten Semester seines Studiums verbrachte er seine Freizeit plötzlich mit Freunden, die ich auf den Tod nicht ausstehen konnte. Die Nächte wurden zu Tagen und wir stritten uns immer häufiger. Ich hatte mehrfach überlegt meine Taschen zu packen und abzuhauen, aber ich dachte es wäre nur eine Phase. Ihn im Stich zu lassen, kam für mich zunächst nicht in Frage, irgendwo musste doch der Max sein, in den ich mich verliebt hatte. Wo war mein Clyde?

Eines Abends stritten wir uns wiederholt. Wir waren auf einer Feier eingeladen und ich überredete mich selbst mitzukommen, obwohl ich wusste, wo es enden würde. Er war wieder völlig weggetreten, es war spät und ich wollte nach Hause. Max mit nach Hause zu bekommen, war wie die Maus zur Katze zu locken. Eigentlich unmöglich. Seine Freunde waren ihm mittlerweile viel wichtiger geworden und die Angst, bei Abwesenheit etwas zu verpassen, machte ihm immer mehr zu schaffen.

Wir stritten uns auf offener Straße, vor all den anderen Gästen. Von Streit zu Streit wurde er immer lauter und wütender und ich immer ein Stück hilfloser. Von den Gästen, unseren Freunden brauchte man keine Hilfe erwarten, schließlich war ich in deren Augen die Spielverderberin. Sie wussten ja nicht, welche Kämpfe wir bereits seit Wochen ausfochten.

An diesem Abend kam Max überraschenderweise mit nach Hause, aber der Streit war noch lange nicht vorbei. Ich hatte ihn bloßgestellt, das war in seinen Augen ein enormes Problem. Dabei hätten wir diesen Streit leicht umgehen können. Wir redeten uns in Rage, er wich mir ständig aus und verdrehte wie immer die Tatsachen.

Er hatte ein Gespür dafür einen Menschen genau dort zu treffen, wo es wehtat. Letztendlich fühlte ich mich meist wieder schuldig, obwohl ich gar nichts getan hatte. Dieser Abend endete weinend auf den kalten Fliesen vor der Badewanne, bis mir Max schließlich eine Tüte mit weißen Pillen entgegenwarf und sagte, dass dies der Grund seiner Veränderung wäre.

Die Panik stieg in mir hoch. Ich hatte mich mit solchen Dingen in meinem ganzes Leben nie befasst, aber dass es schlecht war, wusste ich. Als ich 17 Jahre alt war, hatte ich auf einer Feier mal an einem Joint gezogen, aber der Rausch, die Kontrolle über sich und seinen Körper zu verlieren, war für mich ein wahnsinnig schlechtes Erlebnis, dass ich alles weitere grundsätzlich verabscheute. Ich wusste, dass Max schon öfter mit solchen Sachen in Berührung gekommen ist, aber ich habe es immer als eine Art Erfahrung für ihn abgetan. Nie habe ich daran gedacht, dass dies sein Leben bestimmten könnte.

Als wir uns letztendlich ausgesprochen hatten, schwor mir Max, dass er die Drogen nie wieder anfassen würde. Schade, dass alles nicht immer so einfach ist, wie man hofft. Er hatte sich in meinen Augen verändert, viel zu groß, war der Vertrauensbruch. Ich gab ihm trotzdem noch eine Chance, mit der Hoffnung, dass ganz bald alles wieder beim Alten wäre. Seit dem Tod meiner Eltern, war ich kein Mensch, der Veränderungen mochte. Leider krallte ich mich an jedem Strohhalm fest und hatte große Verlustängste.

Wir wollten uns eine gemeinsame Zukunft aufbauen, doch das Kartenhaus zerfiel. Zunächst schien alles wieder besser zu werden. Dabei bemerkte ich nicht, dass nur ich mich veränderte. Ich nahm vieles auf einmal hin, suchte die Fehler bei mir und gab Max seinen gewünschten Freiraum. Ich hatte mich selbt vergessen, mein Gesicht verloren. Viele Anzeichen übersah ich, malte mir in meinen Gedanken eine kleine perfekte Welt und verschloss die Augen vor der Wahrheit. Immer öfter verschwand Geld. Max kam unter der Woche erst später nach Hause, war am Wochenende oft viel zu lange weg und meldete sich nicht. Wieso ich nicht ging? Er hatte doch wie immer für alles eine plausible Erklärung.

Eines Morgens kam er wiederholt betrunken nach Hause. Den Abend zuvor war ich mit meiner kleinen Schwester im Kino, wir redeten sehr lange und vergaßen die Zeit, so dass ich den nächsten Morgen relativ spät, erst durch sein Kommen und der Erschütterung der Tür wach wurde. Er stand im Türrahmen, seine Augen waren rot umrandet und irgendwie leer. Sein Mund war trocken und er stank nach Zigaretten und Alkohol. Ich beobachtete ihn und sagte kein Wort. Jedes einzelne Wort, würde die Situation verschlimmern. Man lernt sich anzupassen und ich wusste langsam, mit ihm umzugehen.

Ich rieb meine Augen und versuchte wach zu werden. Max bewegte sich langsam auf das Bett zu und griff plötzlich meine Hand. Alles ging auf einmal so schnell. Er schrie mich an und sagte, dass ein Kumpel mich in der Stadt mit einem anderen Typen gesehen hatte und ich ihm fremdgegangen sei. Ich versuchte etwas zu sagen, mich zu wehren. Wieso dachte er so etwas? Meine Hand schmerzte in seiner. Ich war völlig überrumpelt und bekam daher kein Wort heraus. Max muss dies als Schuldeingeständnis gesehen haben, er wollte nichts hören. Seine Pupillen waren klein, seine Haut verschwitzt. Er ballte seine Faust. Ich versuchte noch zu weichen. Doch er schlug zu.

Vor oder Zurück ?

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