[Blogroman] Joel und Emelie 24

Ich bog in eine Nebenstraße ein, bis plötzlich ein Auto neben mir stehen blieb und das Beifahrerfenster herunterfuhr. Im Augenwinkel nahm ich einen schwarzen Wagen wahr, der mir vertraulich bekannt vorkam. Plötzlich hörte ich meinen Namen und fuhr erschrocken herum. Mein Mund klappte auf, als ich plötzlich Joel in dem Wagen wiedererkannte und mein Herz setzte aus.

Er setzte den Blinker, schnallte sich ab, öffnete seine Tür und kam zu mir herumgelaufen. Zunächst packte er meine Schultern und sah mich besorgt an. Mein Blick war auf den Boden gerichtet und meine Schultern bebten. Joel schloss mich ruckartig in seine Arme und drückte mich fest an sich. Mir erschien alles wie ein Traum, aber in diesem Moment fragte ich mich nicht, wieso Joel plötzlich in München war. Ich war einfach froh, dass er da war und mich hielt, bevor sich der Boden endgültig auflöste. Ich roch an seinem olivgrünen Pullover, der nach einem heimischen Duft roch und umklammerte seine Taille.

Eine gefühlte Ewigkeit standen wir so da und sagten nichts. Joel schien erleichtert zu sein, mich gefunden zu haben und ich versuchte mich zu sammeln. Danach öffnete er mir die Beifahrertür und half mir beim Einsteigen. Er gab mir einen Kuss auf die Stirn, ein warmes Gefühl durchdrang meinen Körper und stieg anschließend ebenfalls wieder ein, um sich kurz danach wieder in den Straßenverkehr einzuordnen.

Mein Blick fiel aus dem Fenster und ich beobachtete die vorbeiziehenden Menschen, Schilder und Autos. Ich hatte Angst, Joel anzusehen. Angst davor, dass er doch nicht da war und es sich hierbei nur um einen Traum handelte. Erst, als er meine Hand nahm und drückte, blickte ich in seine angsterfüllten Augen. „Emelie“, flüsterte er. Ich schniefte und weitere Tränen bahnten sich den Weg über meine Wangen.

„Was machst du hier, Joel?“, als ich mich wieder etwas gesammelt hatte, wurde auch ich neugierig. Er holte tief Luft und sah auf die Straße. „Als ich dich gestern angerufen habe, konnte ich kein Wort aus deinem Mund verstehen. Du hast gelallt, etwas von einem Max und einem Phil gefaselt und ich habe mir unendliche Sorgen gemacht“, er kniff seine Augen kurz zusammen, als wolle er den gestrigen Moment vergessen. „Wir haben telefoniert?“, gab ich erschrocken wieder. Nun wurden meine Gedanken klarer und ich beruhigte mich zumindest vom Weinen.

„Ja, weißt du das denn nicht mehr? Ich bin gestern zurückgekommen und wollte dich besuchen. Aber du warst nicht da und deine Nachbarin wusste auch nicht wo du warst. Danach habe ich dich angerufen, aber du hast nicht einen verständlichen Satz hervorgebracht“, Joel blickte mich wieder an und wischte mit seiner Hand eine Träne aus meinem Gesicht.

„Ich weiß nichts mehr von gestern. Max war da, mein Exfreund. Ja, ich war etwas angeheitert, aber ich war nicht betrunken. Ich habe dich vermisst, ich wollte nach Hause. Jedoch kann ich mich nicht mal mehr erinnern, wie ich nach Hause gekommen bin“, ich blickte vor Scharm nach unten und erinnerte mich an Patricks Worte. Wie schmerzhaft sie waren und wie sie mir die Kehle zuschnürten.

„K.O. Tropfen“, gab Joel kaum hörbar wieder, als hätte er sich die Frage gerade selbst beantwortet. Ich nickte, da es bereits meine Vermutung war.

„Und du hast dann trotzdem verstanden, wo ich wohne? Ich kann mich nicht erinnern, dir dies irgendwann einmal erzählt zu haben“, natürlich war ich erleichtert, dass Joel bei mir war, aber dieser Moment warf so viele Fragen auf.

„Nein,… sagen wir mal so. Ich habe Kontakte“, damit ließ er das Thema beruhen, das merkte ich. Ich erzählte ihm anschließend was vorgefallen war und sein Griff klammerte sich bei jedem Satz mehr in das Lederlenkrad, welches unter diesem anfing zu knirschen.

Er fuhr auf eine Raststätte und hielt an einer Tanksäule an. Sein Gesichtsausdruck hatte sich von Angst und Bedauern in Wut gewandelt. Er tankte den Wagen und als er wiederkam und sich hinter das Lenkrad saß, musste er tief Luft holen.

„Wir fahren zurück, du musst mir sagen, wo dieser Max wohnt“, ich sah ihn ungläubig an. Dann realisierte ich die Bedeutung seiner Worte. „Nein“, brachte ich scharf heraus.

„Emelie, er wird dich nicht in Ruhe lassen, solange du ihn so mit dir Umgehen lässt. Ich lasse nicht zu, dass dir irgendjemand wehtut“, ich erkannte Joel kaum wieder. Sein Blick war steif nach vorne gerichtet, als könne er mich in diesem Moment nicht angucken, seine Fingerknöchel stachen stark hervor, als er die Hände zu Fäusten ballte.

Meine Hand wanderte zu seinem Gesicht, welches ich leicht zu mir drehte, damit er mir in die Augen sah. „Bitte versprich mir, dass du nichts unternehmen wirst. Bitte“, das war meine Schlacht. Max war unberechenbar derzeit und seine Familie hatte unglaublich viel Macht. Nie könnte ich zulassen, dass ihm etwas geschähe. Wenn sogar Patrick ihm bereits mehr glaubte als mir, war es derzeit besser Gras darüber wachsen zu lassen.

Joel sah mir eine ganze Weile tief in meine Augen, als wolle er ein Zeichen sehen oder als würde er selbst einen innerlichen Kampf mit sich ausfechten. Dann schloss er seine Augen, atmete tief ein, beugte sich zu mir herüber und gab mir einen Kuss. Meine Probleme wichen einen kurzen Moment aus meinem Leben und ich versank in meinen Gefühlen.

Vor oder Zurück?

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