[Blogroman] Joel und Emelie 18

[Blogroman] Joel und Emelie 18

Joel stand auf und noch immer umklammerte ich mit meinen Beinen seine Hüften und konnte meine Lippen nicht von seinen nehmen. Er trug mich vom Wasser weg zu dem großen braunen Picknickkorb und setzte mich kurzerhand in den Sand. Ich sah ihn wie ein verletzter Welpe an und Joel fing an zu lachen. „Ansonsten kann ich dich doch gar nicht von meinen anderen Qualitäten überzeugen.“ Er nahm die beige mitgebrachte Decke, hielt sie an den Enden fest, um diese anschließend auszuschütteln und neben mir auszubreiten. Danach stellte er den Korb darauf.

Ich krabbelte auf die Decke und versuchte vorsichtig, den Korb zu öffnen. Die Neugierde überkam mich. Er haute mir jedoch sanft auf die Finger und lachte. „Sei nicht immer so neugierig“, den Korb schob er dann vorsichtshalber zu sich herüber. Als würde er etwas geheimnisvolles darin verstecken, hob er ganz vorsichtig den Deckel und schloss ihn wiederholt, als ich neugierig guckte. Dann öffnete er diesen mit einem Grinsen auf seinem Gesicht, wo ich zum ersten Mal zwei hinreißende Grübchen wahrnahm, und holte Erdbeeren, Weintrauben, Schokolade und eine Flasche Sekt mit zwei Gläsern heraus.

Ich beobachtete ihn und strahlte, er als die zwei Sektgläser füllte und jeweils eine Erdbeere hineinwarf. Er gab mir ein Glas und wollte mit mir anstoßen. „Auf uns, mein Herz,“ seine Augen strahlten. „Auf uns“, gab ich verliebt wieder und ließ die Gläser klingen.

Wir beobachteten den Sonnenuntergang, fütterten uns gegenseitig mit den mitgebrachten Köstlichkeiten und als es kälter wurde, sammelte Joel Äste und Stöcker zusammen, um ein Lagerfeuer zu machen. „Du hast ja wirklich ungeahnte Fähigkeiten“, sagte ich, als er mit zwei Steinen ein Feuer entfachte. „Stell dir vor du bist der Wildnis ausgeliefert. Das ist er Moment, wo so etwas dein Leben retten kann“, er klang sehr ernst, lächelte aber daraufhin. Ich beäugte ihn misstrauisch, denn dieser Vergleich kam mir sehr weit hergeholt vor, ließ es jedoch auf sich beruhen. Er setzte sich wieder, zog mich an sich heran und küsste mir auf das Haar. So genossen wir noch die letzten Stunden, bevor er das Feuer wieder austritt und wir zum Auto gingen. „Danke, das war ein wunderschöner Tag.“ – „Ja, das fand ich auch“, gab er wieder und drückte meine Hand.

Im Auto schlief ich ein, denn der Tag am Meer machte mich unfassbar müde. Ich spürte dennoch Joels Daumen, der meine Hand durchgehend auf dem Handrücken streichelte. Als wir ankamen, weckte er mich mit einem Kuss auf den Rücken meiner Hand und ich blinzelte ihn verschlafen an. „Wir sind da.“ Ich blickte mich verdutzt um und nahm das Hochhaus auf meiner Seite wahr. Mein Zuhause. Sehnsucht erfüllte mein Herz. Das war der Moment, wo Joel mich wieder verließ, denn er würde nicht mit hoch kommen. Ich blickte traurig zum Boden und er hob mein Gesicht mit seiner Hand an.

„Wir werden uns das Wochenende leider nicht sehen können. Ich bin ein paar Tage außerhalb der Stadt.“ – „Du bist weg? Wann kommst du wieder?“, meine Augen wurden groß und die Müdigkeit wich vor Adrenalin. „Ich kann es dir noch nicht sagen, ich weiß nicht wie lange es dauert“, er streichelte meine Wange. „Ich melde mich bei dir, sobald ich zurück bin, versprochen.“ Mein Bauchgefühl sagte mir, dass irgendetwas nicht stimmte.

Er ließ mir jedoch keine Möglichkeit etwas dagegen zu sagen, denn schon stieg er aus dem Fahrzeug aus und öffnete mir die Tür. Ich wollte nicht die eifersüchtige oder egozentrische Freundin sein, daher behielt ich jedes Gefühl und jedes Wort in diesem Moment für mich. Er begleitete mich zu der Eingangstür vom Treppenhaus und verabschiedete sich mit einem langen Kuss, dann fuhr er davon.

Ich hatte mich daran gewöhnt Joel jeden Tag zu sehen und als ich nun alleine da stand, kam ich mir ziemlich verloren und hilflos vor. In Hamburg würde mir die Decke auf den Kopf fallen, also beschloss ich noch am Abend mir ein Ticket nach München zu buchen. Wir hatten Ende September und Ellen und Paula lagen mir bereits länger in den Ohren, dass ich fürs Oktoberfest nach Hause kommen sollte. So richtig war mir nicht danach und mein Bauchgefühl sollte mich auch nicht täuschen.

Ich wische mir die Tränen mit meinem Handrücken aus dem Gesicht und stehe von dem Toilettensitz auf. Ein Blick in den Spiegel verrät mir, dass ich rote Wangen und glasige Augen habe. Ich atme tief ein und aus und versuche mich zu sammeln, dann gehe ich wieder hinaus.

Die Kellnerin hat zwischenzeitlich unsere Getränke gebracht und Sebastian sieht auf sein Handy. Als er mich bemerkt, legt er es schnell beiseite und lächelt mich an. „Hast du dich schon entschieden, was du essen wirst?“, ich versuche die Situation wieder aufzulockern. Eigentlich wollte ich stark und erwachsen wirken, derzeit verhalte ich mich jedoch wie ein kleines Kind. Er sieht mich zunächst fragend an, dann springt er jedoch auf den Zug auf. „Ähm…ja, ich denke ich werde das Gyros nehmen. Auf die Gefahr hin, dass ich danach nach Tsatsiki riechen werde“, er lächelt „aber ich habe heute keine Kundentermine mehr.“

Danach übernimmt Sebastian wieder die Führung des Gesprächs und ich höre ihm dieses Mal aufmerksam zu. Es geht mal wieder, um seine Familie, die Urlaube und die vielen Häuser, welche sie vermieten oder verkaufen. Nachdem wir den letzten Schluck unseres Getränks genommen haben, kommt bereits die Kellnerin mit der Rechnung, die er für uns bezahlt. Ich bedanke mich bei ihm und sehe die Einladung in diesem Moment als Aufwandtsentschädigung, daher rebelliere ich beim Bezahlen nicht. Ich kenne mich so gar nicht, aber seitdem Joel verschwunden ist, stehen ich irgendwie neben mir.

Anschließend gehen wir zurück ins Büro, wo schon einige neugierige Blicke auf uns warten. Sebastian umfasst meine Taille, als wir durch die Tür kommen und ich versuche einen Schritt schneller zu gehen, um dieser Berührung zu entweichen.

In meinem Büro schließe ich die Tür hinter mir und lasse mich auf dem Bürostuhl sacken.

Vor oder Zurück?

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