[Blogroman] Joel und Emelie 13

Den Tag darauf öffnete ich meine Augen und war überrascht, dass ich mich immer noch in den Armen von Joel befand. Ich versuchte mich zunächst zu sammeln und obwohl diese Position ziemlich gemütlich schien, tat mir alles weh. Nachdem ich mich mit meinen Armen versuchte aufzusetzen, fiel mir auf, dass Joel mich beobachtete.

„Wie lange bist du schon wach?“, fragte ich ihn und versuchte die blendende Sonne mit meinen Händen abzuschirmen. „Eine Weile“, antwortete Joel grinsend. „Und wie kannst du so fit sein?“, Er wirkte tatsächlich sehr ausgeschlafen. „Ich hab seit langem eigentlich mal wieder ganz gut geschlafen“, sagte er und reckte sich. Er machte mich so unfassbar neugierig, noch immer wusste ich nicht, wer sich hinter der Fassade verbarg, obwohl wir uns bereits so nah gekommen waren.

„Wollen wir etwas Frühstücken gehen?“, Joel sah mich fragend an. „Sehr gerne“, sagte ich. Er streckte mir seine Hand entgegen, um mir beim Aufstehen zu helfen. Dabei nahm ich zu viel Schwung und fiel in seine Arme. Einen kurzen Augenblick sahen wir uns tief in die Augen, bevor ich meinen Kopf verlegen zur Seite drehte. „Dann wollen wir mal“, sagte Joel ebenfalls ziemlich verlegen.

Wir gingen die Straßen entlang zu einem Bäcker, der Gleiche bei dem ich vor ein paar Tagen war und meine weiße Schokolade leider nicht bekam. Joel hielt meine Hand, als gehörte ich bereits ihm. Da er von einigen Frauen auf der Straße bereits angelächelt wurde, fühlte ich mich umso stolzer und umklammerte diese noch fester, damit er nie wieder gehen konnte. Ungeahnt dessen, dass er es doch irgendwann tun würde.

„Setz dich schon mal, ich hole uns etwas zu essen. Du siehst wirklich müde aus“, bemerkte Joel und verschwand. Ich war tatsächlich sehr müde und sehnte mich nach ein paar Stunden schlaf in meinem weichen Bett. Kurze Zeit später kam er mit einem riesigen Tablett wieder und servierte uns ein leckeres Frühstück mit normalen und körnigen Brötchen. Dazu fand sich ein Teller mit einem Wurst- und Käseaufschnitt und zu Trinken gab es einen frischgepressten Orangensaft.

„Du verwöhnst mich ja“, ich musste schmunzeln. „Ich wusste nicht, was du lieber magst, also habe ich von allem etwas bestellt“, Joel grinste. Er gab sich bei allem was er tat immer so unglaublich viel Mühe. Ich kämpfte gegen meine Müdigkeit an, denn alles was ich wollte, war bei ihm zu sein. Ich musste noch oft an Max denken, unsere Zeit ging nicht spurlos an mir vorbei, es gab auch durchaus schöne Tage mit ihm. Aber mit Joel vergaß ich alles.

„Ich habe das Gefühl, dass ich dich immer noch nicht kennen würde“, gab ich zu bedenken. „Was möchtest du denn wissen?“ Er biss in sein mit Marmelade beschmiertes Brötchen. „Hm…, zum Beispiel, was du hier in Hamburg machst. Was machst du beruflich?“, mir fiel die Kette wieder ein, die ich bei ihm bemerkt hatte.

Joel wirkte, als würde er die richtigen Worte suchen, denn er antwortete nicht sofort. „Ich muss derzeit beruflich was in Hamburg klären“, ich unterbrach ihn. „Das heißt, du bleibst nicht hier?“, fragte ich verängstigt. „Nein, also doch. Es ist schwer zu erklären“, er wirkte nervös und rang nach den richtigen Worten. Sollte sich die kleine heile Welt, in der ich mich befand, so schnell wieder in Luft auflösen? Ich versuchte Joel ausreden zu lassen.

„Ich werde es dir mal bei Zeit in aller Ruhe erklären. Nun lass uns aber erstmal noch den Tag genießen. Worauf hättest du heute noch Lust?“, er versuchte das Thema umzulenken. Ich war nicht dumm. Nur war er gerade alles so neu, dass ich mich versuchte darauf einzulassen und den Mann nicht sofort zu vergraulen. Ich bestätigte ihm mit einem Schmunzeln, die Sache zunächst Ruhen zu lassen. Er sollte sich nur darauf einstellen, dass man mich nicht so einfach abschütteln könnte.

„Wir könnten in meinen Lieblingspark gehen?“, ich versuchte nicht so viel darüber nachzudenken, warum er so viel verschwieg. „Klar, gern“, gab Joel wieder. Etwas verlegen widmete ich mich wieder meinem Essen und sah ihn belustigt an. „Erzähl mir wenigstens irgendetwas von dir“, murmelte ich mit vollem Mund.

„Du bist ziemlich neugierig.“ Joel lächelte und sah sich anschließend nervös um. „Wollen wir woanders reden?“, ich nickte und nahm mein Brötchen in die Hand, da er bereits das Tablett wegzog und wegbrachte. Ich fühlte mich etwas überrumpelt, aber er schien es sichtlich dringend zu haben, den Bäcker zu verlassen.

Vor oder Zurück?

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