Wie ich meinen Hund heute erziehen würde

Nach fünf Jahren mit meinem Hund und nach ca. 6 Hundeschulen, erlaube ich mir ein Resümee über die Hundeerziehung zu erlauben. Mein Hund ist nicht perfekt und trotzdem ist er es für mich. Wenn mich heute jemand fragen würde, ob Buddy gut erzogen ist, würde ich mit ja antworten. Ja, obwohl er eine Leinenaggression hat, mal zu anderen Hunden zieht und gerne mal mehr als nötig markiert. Auch, obwohl er manchmal zu wild ist, anfängt ungeduldig zu fiepen oder eine unnötige Diskussion mit mir anfängt.

Die Frage ist doch immer, was bin ich bereit für die Hundeerziehung zu tun und was ist mein eigener Anspruch? Ich bin absolut der Meinung, dass man Dinge die man wirklich will auch erreicht. Und wenn ich etwas schleifen lasse oder nicht mit dem Herz dahinterstehe, vielleicht auch wenn ich gar zu faul bin, dann werden die Sachen auch nicht gelingen.

Ein kleines Beispiel: Mich hat es total genervt, dass Buddy mir als Welpe in die Fersen gebissen hat oder sich auf den Futternapf gestürzt hat, als gäbe es kein Morgen mehr. Ohne Hundeschule, Internet oder andere Personen, die mir geholfen haben, habe ich ganz allein für mich beschlossen – das geht gar nicht. Also habe ich rein aus meiner Intuition heraus Buddy beigebracht vor dem Futternapf auf mein Ok zu warten und ihm verboten mir in die Fersen zu beißen. Bis heute haben wir damit keine Probleme mehr. Und das ist nur ein kleines Beispiel von vielen.

Andere Sachen waren mir leider nicht so wichtig, auch weil ich die Welt der „1000 Hunderegeln“ nicht kannte. Ich musste auf die unschöne Art und Weise kennenlernen, dass man seinen Hund nicht zu anderen laufen lässt, dass der Hund sich nicht verselbständigen sollte und es nicht nur nette Hundehalter oder Hunde gibt. In der heutigen Gesellschaft wird dem Hund so viel können abgefordert, dass man als Hundehalter selbst oftmals überfordert ist. Es gibt kein Regelbuch, aber für jeden Hundehalter gelten andere Regeln und man ist sauer, wenn sich andere Hunde nicht an die eigenen aufgestellten Regeln hält. Aber das ist ein anderen Thema und unter diesem >Link< erfahrt ihr mehr darüber.

Ich habe in diesem Text so einige Blogbeiträge von mir verlinkt, die bestimmte Themen noch weiter beleuchten. Die Links öffnen sich alle in einem neuem Tab, so dass ihr hier trotzdem weiterlesen könnt.

Worauf ich hinaus möchte – auch wenn Buddy Sitz, Platz, Bei Fuß kennt und auf ein „Hier“ zu mir zurückkommt, würde ich trotzdem heute einige Dinge anders machen. Einfach, um für mich und Buddy die Welt noch ein wenig entspannter zu gestalten. Schon oft wurde ich von Welpenbesitzern gefragt, worauf man achten sollte und ob ich Tipps für die Erziehung habe. Einige Dinge haben bei mir super geklappt und andere Dinge würde ich heute anders machen. Daher gehts hier um das Thema:

Wie ich meinen Hund heute erziehen würde

 

1 Ruhe beibringen. Es ist keine neue Information, dass ein Hund 17-20 Stunden Schlaf benötigt, oder sich ausruht. Ein Welpe hingegen benötigt sogar 20-22 Stunden. Gerade, wenn man einen Hund hat, der kaum zur Ruhe kommt, ist es hier umso wichtiger ihm Ruhe beizubringen. Einige schwören auf eine Box, andere auf einen Ruheraum oder den Hund für kurze Zeit irgendwo in der Wohnung anzubinden. Ich habe Buddy kurze Zeit immer in den Flur gesperrt und das solange wiederholt, bis er zur Ruhe gekommen ist. Das ist eine der wichtigsten Lektionen, denn so erhältst du einen Hund, der auch entspannen kann. Ich habe beispielsweise früher total vergessen, Buddy auch draußen Ruhe beizubringen. Mittlerweile kann er auch unterwegs entspannen, aber das hat einige Zeit in Anspruch genommen und funktioniert auch noch nicht überall.

2 Entdecken. Den Hund sollte man zu den verschiedensten Orten mitnehmen oder diese bewusst üben. Ich würde mit kleinen Schritten anfangen und diese langsam steigern. Buddy ist ein Kleinstadt/Dorfhund. In einer Großstadt wäre er überfordert, so dass wir mittlerweile angefangen haben gezieltes Stadttraining mit ihm zu machen. Sofern man vorhat seinen Hund öfter mitzunehmen, sollte man auch den Besuch am Strand, Bauhaus, Restaurant, etc. von klein auf an üben. Ich habe damit viel zu spät angefangen.

3 Alleine bleiben. Man sollte nicht zu lange warten, um dem Hund das Alleine bleiben beizubringen. Bringt ohne den Hund den Müll raus, kauft alleine ein, besucht Freunde. Eine Hundekamera kann euch hier unterstützen, sofern man Angst hat, dass er etwas anstellt. Denkt immer daran, dass der Hund sofort merkt, wenn ihr nervös das Haus verlasst. Auch sollte man frühestmöglich den Hund mal bei Bekannten, Freunden oder der Familie lassen.

4 Hundetrainer. Heute würde ich einen Hundetrainer niemals wieder nach dem Preis aussuchen. Ich bin auf Hundeschulen gestoßen, die 10 Welpen aufeinander geschmissen haben. Die Trainer haben so gar nicht die Möglichkeit auf euch und eure Bedürfnisse einzugehen. Sucht Hundeschulen mit kleineren Gruppen und fragt andere Hundeführer nach einer Empfehlung. So bin ich auch an wirklich tolle Hundeschulen gekommen. Vergesst aber niemals, auch auf euer Bauchgefühl beim Hundetraining zu hören.

5 Stubenreinheit. Buddy hat zwar etwas länger benötigt, aber ich habe mich immer ganz doll vor ihm gefreut, wenn er ein großes oder kleines Geschäft draußen vollrichtet hat und immer ein Kommando dabei verwendet. Ihr werdet lachen, aber Buddy kann auf Kommando pinkeln, zumindest weiß er was ich von ihm erwarte, wenn ich das Kommando sage. Drinnen habe ich hingegen kommentarlos die Hinterlassenschaften entfernt und Essig zur Geruchsneutralisierung verwendet. Niemals solltet ihr euren Hund dafür ausschimpfen oder gar mit der Nase in die Hinterlassenschaften drücken!

6 Kommando „Nein“. Ich habe Buddy das „Nein“ beigebracht, indem ich ein Leckerli in meine Hand gelegt habe. Immer, wenn er an dieses heranwollte, habe ich meine Hand geschlossen und „Nein“ gesagt. Sofern er es akzeptiert hat, habe ich es in die andere Hand gelegt und auf „Ok“ durfte er es dann auch nehmen.

7 Leinenführigkeit. Hier habe ich ziemlich viel falsch gemacht. Heutzutage würde ich als erstes den natürlichen Folgetrieb nutzen und belohnen (8.-16. Lebenswoche). Ich würde frühestmöglich damit anfangen meinem Hund beizubringen, an der lockeren Leine zu laufen und nicht zu ziehen. Natürlich, darf der Hund nicht überfordert werden. Außerdem würde ich viel konsequenter sein und länger durchhalten. Ich würde auch keinen Kontakt an der Leine zulassen, denn ansonsten lernt der Hund, dass es Okay ist zu anderen Hunden zu ziehen.

8 Jagen. Buddy hat recht früh begonnen Katzen zu jagen, in einem unbemerkten Moment ist er losgelaufen. Ich würde heute viel eher mit einer Schleppleine arbeiten und besser aufpassen. Mit Jagdhunden ist es natürlich nochmal etwas ganz anderes, aber sobald der Hund einmal jagen war, den Adrenalinstoß gefühlt hat und dies positiv und mit Spaß verknüpft, hat man so gut wie verloren.

9 Zergel, Kaustangen und Co. Buddy hatte seine Kuscheltiere immer frei zur Verfügung und ich habe damit nie Probleme gehabt. Als Welpe hat er mich einmal angeknurrt, als ich sein Spielzeug wieder haben wollte, aber ich habe dem keine Beachtung geschenkt. Danach habe ich immer öfter mal wieder Knochen oder Spielzeuge weggenommen, ihm diese jedoch immer wieder gegeben. Ich wollte ihm zeigen, dass es nicht schlimm ist, wenn ich mal etwas wegnehme, denn er bekommt es nach einiger Zeit zurück. Sofern er mal ein Schuh oder ähnliches angekaut hat, habe ich ihm eine Alternative angeboten, z.B. einen alten Schuh, den er zerstören darf oder ein anderes Spielzeug oder Knochen. Buddy hat nie unser Mobiliar oder Kleidung zerstört.

10 Rückruftraining. Auch hier würde ich mehr mit einer Scheppleine trainieren. Ich hielt diese immer für unnötig, aber so hätte ich mir einiges ersparen können. Denn Buddy hatte zu oft Erfolgserlebnisse, wo er weggelaufen ist, um einen anderen Hund oder Menschen zu begrüßen. Dabei sollte der Hund ein Erfolgserlebnis haben, wenn er zu mir aufgrund meines Rückrufs zurückkommt. Egal, ob in Form eines Leckerlis oder eines Spielzeugs. Hauptsache eine positive Verstärkung

11 Andere Hunde. Heutzutage würde ich mir dieses Spiel „Soll ich meinen Hund anleinen oder frei laufen lassen“ sparen. Mittlerweile leine ich Buddy grundsätzlich an, wenn ein Hund kommt. Sofern ein Kontakt gewünscht ist, kann man miteinander sprechen. Ich habe Buddy früher fast immer mit anderen spielen lassen und habe mich gefreut, dass er sich mit jedem verstanden hat. Nun habe ich jedoch einen Hund, der immer zu anderen möchte, sofern er einen sieht, da er es immer positiv verknüpft hat. Jedoch spielen Hunde ab einem gewissen Alter nicht mehr mit jedem. Daher würde ich andere Hunde nicht mehr so interessant gestalten.

12 Hundetreffen. So komme ich direkt auch zum nächsten Punkt. Ich würde ihn nicht mehr mit jedem spielen lassen, ohne den anderen Hund zu kennen. Viel lieber verabrede ich mich mit Freunden oder versuche eine feste Hundegruppe zu finden, wo ich weiß, dass die Hunde miteinander harmonieren. Sie brauchen keinen täglichen Hundekontakt und vor allem nicht immer neue Hundefreunde.

13 Auf der Arbeit. Man wird sich wundern, wie sehr der Hund selbst auf der Arbeit mit Kundenkontakt entspannen kann, wenn er einfach ignoriert wird. Natürlich darf er mal gestreichelt werden, aber ich würde es so gut es geht unterbinden. Ansonsten macht man das Geschehen um sich herum nur noch interessanter. Steht der Hund nämlich auf, wenn ein Kunde hereinkommt oder jemand geht zum Drucker und er wird dafür von diesem gestreichelt, ist dies ein Erfolgserlebnis und er wird es wiederholen wollen. Es sollte auch einen Ruheort für ihn geben. Ein zugewiesener Platz oder sogar eine Box. Hier sollte ihn nie jemand stören.

14 Garten. Ein Hund benötigt Bewegung und Beschäftigung. Ein Garten ist dafür keine Ausrede. Sofern sich der Hund im Garten langweilt und keinen Ausgleich hat, wird er diesen verteidigen und alles mögliche anbellen und jagen. Ich würde dies von Anfang an unterbinden, bzw. den Hund nicht stundenlang alleine im Garten lassen. Natürlich darf er sich melden, mal bellen und bescheid sagen. Aber er muss keine anderen Leute oder Hunde am Zaun terrorisieren.

15 Konsequenz und Ausdauer. Immer wieder stößt man als Hundebesitzer an seine Grenzen. Man trainiert wochenlang und dann passiert ein Fehler und man kann wieder von vorne anfangen. Bleib am Ball. Ich würde heute viel konsequenter sein und länger üben. Es wird sich lohnen und nur so kann sich ein dauerhafter Erfolg einstellen.

16 Mund aufmachen. Ja, heute würde ich viel früher den Mund aufmachen. Sei es bei anderen Hundebesitzern oder Nichthundebesitzer. Unsere Hunde können nicht sprechen und das sollten wir für diese übernehmen. Wie oft Buddy ungefragt angefasst wurde, wie oft Hunde unangeleint auf uns zugerannt sind. Wir sollten unseren Mund viel öfter benutzen. Nicht zum Schimpfen, sondern einfach mal um gewisse Dinge zu kommunizieren.

17 Beschäftigung. Buddy ist ein Australian Shepherd. Eine Rasse, die gerne mal durchdreht und schnell hochfährt. Gerade hier, habe ich auf Beschäftigungen gesetzt, die viel Konzentration abfordert und ruhig sind, anstatt ihn noch mehr hochfahren zu lassen. Wir tricksen, apportieren, lassen ihn Dinge suchen und longieren. Ich finde, man sollte viel öfter darauf achten, was gut für die Rasse ist, den Alltag erleichtert und nicht, wie man Medaillen und Pokale gewinnt.

 

Natürlich gehört zu einer Hundeerziehung noch so viel mehr, aber das sind die Dinge die ich meiner Meinung nach richtig gemacht habe oder definitiv anders machen würde. Ich bin keine Hundetrainerin. Ich spreche nur aus der Erfahrung mit meinem ersten Hund.

2 Kommentare

  1. Hallo ihr Beiden 😊
    Ich hab mich in vielen Dingen wiedergefunden.. Auch ich hatte bei meiner jetzt 5 Jahre alten Emmely im Nachhein einige Dinge anders gemacht.. Als Hazel vor zwei Jahren einzog, habe ich auch ein paar Dinge anders gemacht.. Und auch jetzt würde ich wieder sagen, dass ich einiges hätte anders machen können, was für Hazel im Nachhein bestimmt besser gewesen wäre.. Gleiches Spiel mit Colani 😅 man lernt mit seinem Hund und macht Fehler.. Und schließlich ist keiner gleich.. Aber das ist ja das tolle und spannende daran 😊
    Viele Grüße
    Lizzy und die Hütehundmädchen

    1. Hallo Lizzy :-),
      du hast absolut recht. Man lernt immer aus seinen Fehlern und ich könnte jetzt schon wetten, dass ich auch irgendwann bei meinem nächsten Hund andere Fehler machen würde. Jeder Hund ist ja auch so unterschiedlich und hat andere Macken. Wenn ich die Hunde von Freunden hier habe merke ich immer ganz schnell, wie sehr man sich eigentlich mit seinem eigenen Hund bereits eingespielt hat. Ja, das macht das alles irgendwie auch spannend und man wächst ja bekanntlich mit seinen Herausforderungen.
      Danke für deinen Kommentar und ganz liebe Grüße an dich und deine Fellnasen.
      Madeleine mit Buddy.

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