Fellpflege, muss das eigentlich sein?

Manchmal fühle ich mich richtig wie ein Rabenfrauchen. Das Internet ist voll von unzähligen Tipps zur Fellpflege und Videos, wie man seinen Hund am besten schneidet und stutzt.

Ich oute mich. Ja, ich habe meinen Hund noch nie die Pfoten oder die Ohren gestutzt, die Krallen gekürzt oder das Fell getrimmt. Nein, ich halte nichts vom Scheren, wenn es nicht zwingend notwendig ist. Ich bürste meinen Hund, um bei dem Fellwechsel Herr zu werden und die Haare am Bauch und an den Beinen werden mal etwas gekürzt, damit er sich nicht unfreiwillig anpinkelt. That’s it.

Natürlich gibt es Hunderassen, die heutzutage so herangezüchtet sind, dass diese ohne aufwendige Fellpflege verfilzen und verknoten. Oder Hunde, die keine Möglichkeit haben, sich die Krallen auf natürlichem Weg abzulaufen. Und ich finde Fellpflege generell auch nicht schlecht. Nur fragte ich mich, ob ich eigentlich ein schlechtes Gewissen haben muss? Wie viel Fellpflege benötigt der Hund eigentlich? Ich habe mich auf die Suche nach Antworten gemacht.

 

Fellpflege

Langhaarige Hunde benötigen mehr Fellpflege, als kurzhaarige Hunde. Um den Hund beim Fellwechsel zu unterstützen oder diesen vor Verfilzungen und Knoten zu schützen, sollte man den Hund je nach Haarlänge einmal bis mehrmals in der Woche bürsten.

Pfotenpflege

Damit keine Kletten, Dornen oder im Winter Eiszapfen zwischen den Pfoten hängenbleiben können, kann das Fell an den Pfoten gekürzt werden. Dies verhindert auch, dass der Hund über glatte Flächen rutscht. Zwischen den Zehen sollten die Haare allerdings nicht zu kurz oder gar nicht geschnitten werden. Salz und Sand haben ansonsten die Möglichkeit noch tiefer in den Ballen zu dringen und sorgen so für Entzündungen. Auch kann es durch Abschneiden der Haare zu einer Haarwurzelreizung und dadurch zu einer Haarwurzelentzündung kommen.

Krallen

Die Daumenkralle berührt den Boden nicht und sollte daher nach Möglichkeit gekürzt werden, damit der Hund sich nicht selbst verletzten oder irgendwo hängenbleiben kann. In der Regel laufen sich aber alle anderen auf harten Boden von alleine ab. Trotzdem sollten die Krallen regelmäßig überprüft werden, ob diese eventuell manuell gekürzt werden müssen. Kranke, alte oder schwache Hunde können diese ggf. nicht mehr selbst ablaufen. Hier sollten sie dann regelmäßig gekürzt werden.

Ohrenpflege

In der Regel reinigen sich gesunde Hundeohren durch das Ohrenschmalz von innen nach außen selbst. Die Ohren sollten dennoch regelmäßig auf Schmutz, Grannen oder Zecken überprüft werden. Stehohren sind gut belüftet und benötigen daher selten Pflegemaßnahmen. Ggf. kann man diese mit einem Tuch reinigen. Niemals jedoch mit einem Wattestäbchen! Das entfernen von Haarbüscheln am Gehöreingang ist hier Überflüssig. Bei Hängeohren sieht dies schon wieder etwas anders aus, da ein feuchtwarmes Klima entsteht. Diese Ohren sollten häufiger kontrolliert werden und ggf. können hier Haarbüschel gezupft werden, um keinen Nährboden für Bakterien, Pilze oder Milben zu bilden. Zupfen sollte man die Haare, da die Stoppeln ansonsten unangenehm für den Hund sein könnten. Ich rate hier aber vorab mit dem Tierarzt zu sprechen.

Augenpflege

Die Augenwinkel können bei Bedarf mit einem nicht-fusselnden Tuch und etwas lauwarmen Wasser gereinigt werden.

Scheren

Ein sehr umstrittenes Thema. Für Unterfelllose Hunderassen stellt dies kein gesundheitliches Problem dar, jedoch kann dies für andere Rassen eine Tragödie bedeuten. Durch die Schur verliert der Hund seinen natürlichen Witterungsschutz. Im Sommer schützt das Fell vor der Sonneneinstrahlung, im Winter vor der Kälte. Es kann sein, dass nach einer Schur das Fell nicht mehr richtig nachwächst oder die Unterwolle schneller nachwächst, als das Deckhaar und dieses sogar verhindert. Einen sehr interessanten Artikel dazu, habe ich >hier< gefunden. Im Sommer vielleicht lieber mal mehr Baden gehen, kühle Plätze aufsuchen und ordentlich durchbürsten. Und in jedem Fall, sollte man sich vor der Schur ausreichend informieren.

Baden

Es ist nicht nötig, seinen Hund zu baden. Dies kann sogar schädlich sein. Ein Hund besitzt einen eigenen natürlichen Reinigungsmechanismus. Durch das Baden kann der Säureschutzmantel des Hundes zerstört werden, was schlimme Folgen haben kann. Auch raubst du deinem Hund den natürlichen Geruch, das was ihn ausmacht, womit er in der Hundewelt identifiziert werden kann. Ist er mal schmutzig, kann man versuchen den Dreck herauszubürsten. Nur im äußersten Notfall sollte man zur Badewanne/Dusche greifen und den Hund mit klaren Wasser und mit wenig Hundeshampoo waschen.

Mein kleiner Tipp – stinkt der Hund bestialisch und hat sich in Kadavern gewälzt – einfach mal mit Ketchup/Tomatensaft einreiben und danach auswaschen. Wirkt Wunder :-).

Zahnreinigung

Eine Zahnpflege ist nur dann nötig, wenn sie auch angebracht ist. Das Gebiss sollte ebenfalls regelmäßig überprüft werden. Spätestens, wenn man eine Verfärbung sichtet oder der Hund zu Mundgeruch neigt (kann auch andere Ursachen haben!), sollten Maßnahmen ergriffen werden. Vorbeugen kann man Zahnbelag durch die richtige Fütterung, Kauartikel und Spielsachen, um den natürlichen Abrieb zu unterstützen.

 

Bei allem gilt, den Hund langsam und ab dem Welpenalter an die Pflege zu gewöhnen. Solltet ihr euch selbst nicht daran trauen, bittet euren Tierarzt um Hilfe. Außerdem sollte man ein Gefühl dafür entwickeln, wie viel Fellpflege der eigene Hund benötigt. Kranke oder alte Hunde benötigen ggf. etwas mehr Fellpflege. Genauso sieht es mit langhaarigen Hunden aus.

Wir sollten aber immer bedenken, dass der Hund, bzw. die Natur gut vorgesorgt hat und der Hund gar nicht so viel Pflege benötigt, wie wir vielleicht oft denken. Man sollte sich stets über die eigene Rasse erkundigen. Manchmal ist weniger auch mehr.

Madeleine Sophie

 

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