Erziehungsmethoden auf dem Prüfstand

Vor einiger Zeit habe ich auf Instagram in meiner Story nach Leuten gesucht, die sich über bestimmte Erziehungsmethoden auskennen oder selbst praktizieren. Mich erreichten einige liebe Nachrichten, wofür ich mich an dieser Stelle schon einmal bedanken möchte.

Heute stelle ich einige Erziehungsmethoden auf den Prüfstand. Erziehungsmethoden die der ein oder andere bereits gehört haben wird und das nicht nur, weil diese gerade relativ präsent im Fernsehen sind. Welche Philosophie steckt eigentlich dahinter? Viele Hundetrainer praktizieren die Methoden und in den Foren oder Gruppen, werde diese heiß diskutiert. Oftmals fechten Befürworter und Gegner regelrechte Kämpfe aus.

Und wer kennt das nicht – wenn jemand starke Argumente für oder gegen eine Methode einbringt, nimmt man sich dieser Meinung an und trägt sie vielleicht weiter, ohne sich jemals richtig mit diesem Thema auseinander gesetzt zu haben. Erfahrungswerte anderer sind Gold wert, aber es ist nicht alles Gold, was glänzt. Es gibt nicht die eine richtige Erziehungsmethode. Jeder Hund und auch sein Besitzer sind individuell und man sollte das Training nach seinen Bedürfnissen und die seines Hundes ausrichten. Welche Variante ist für mich selbst vereinbar? Hund und Besitzer sollten sich wohl fühlen.

Ich möchte euch helfen euren eigenen Weg zu finden und einen Überblick verschaffen. Ich versuche diesen Beitrag völlig wertfrei zu gestalten, denn hier geht es nicht um meine Meinung, sondern dass ihr eure eigene findet.

Die Informationen sind selbst recherchiert oder mir zugetragen worden. Irrtümer sind vorbehalten. Es wird bewusst auch auf die umstrittenen Erziehungsmethoden eingegangen.

 


 

Trainieren statt Dominieren

Trainieren statt dominieren spricht sich ganz klar gegen Korrekturen, Hilfsmittel oder jeglicher Gewalt aus. Gewalt fängt da an, wo dem Hund auf eine unfaire Weise Druck gemacht wird, z.B. durch Blocken, Leinenruck, körperliches Maßregeln, o.ä. Es gibt in ganz Deutschland geprüfte Hundetrainer die diese Methode praktizieren. Es geht darum, seinen Hund als Partner zu sehen und diesen fair und nett zu behandeln. Der Hund soll die Möglichkeit erhalten, es richtig zu machen. Gewünschtes Verhalten wird bedürfnisorientiert z.B. mit einem Lob oder einem Leckerli belohnt und unerwünschtes Verhalten wird umgelenkt und ein Alternativverhalten wird etabliert. Es wird auf das richtige Maß von Spannung und Anspannung geachtet, denn ein zu hohes Energielevel ist ein Hauptgrund für unerwünschtes Verhalten der Hunde und ein Training in einer noch zu schweren Umgebung mach keinen Sinn. Es werden außerdem keine Welpenspielstunden oder Raufergruppen angeboten, wo Hunde meist auf sich alleine gestellt sind.

Diese Trainingsmethode oder Philosophie wendet die aktuellen Lerntheorien an, nach der gutes und nachhaltiges Lernen am besten in einer angenehmen Atmosphäre funktioniert. Der Hund lernt immer, nicht nur beim Training.

 


 

Jan Nijboer – Natural Dogmanship

Natural Dogmanship hilft, die individuelle Persönlichkeit des Hundes kennen zu lernen. Anstatt die natürlichen Instinkte des Hundes zu unterdrücken, lernt man, diese zu verstehen und für seine Erziehung zu nutzen.

Der Hund kommt seinen natürlichen Instinkten nach und Jan Nijboer knüpft beim Ursprung an. Das Ziel ist es, nicht den Hund an den Menschen anzupassen, sondern dem Menschen zu vermitteln, wie er den artspezifischen Bedürfnissen des Hundes gerecht werden kann. Natürliche Verhaltensweisen, wie das Markieren, das Jagen, das Hüten oder vielleicht auch der Sexualtrieb werden heute als Problemverhalten dargestellt. Der Hund wird durch unsere heutige Gesellschaft und der Veränderungen dazu gezwungen sein Problem alleine zu lösen. Jan Nijboer versucht das Verhalten in gesellschaftlich akzeptable Formen zu lenken.

Beispielsweise lernt der Hund durch eine gemeinsame Jagd, was im Leben wichtig ist und auch noch Spaß macht: Auf seinen Halter zu achten und ihm zu folgen. Man geht bei Natural Dogmanship nicht einfach spazieren, sondern gibt den Hunden einen Sinn in dem Spaziergang und befriedigt so z.B. das Bedürfnis des Hundes nach Futtersuche. Man lässt den Hund seine Beute, also so genannte Preydummies (Futterbeutel) mit seiner Mahlzeit suchen oder beginnt mit ihm eine gemeinsame Aktivität wie das Reizangelspiel. Mit Hilfe des Preydummies werden dem Hund auch alle Signale beigebracht, die er für ein gemeinsames Leben mit seinem Halter benötigt. Unerwünschte Verhaltensweisen werden nicht „abgestellt“, sondern man ergründet gemeinsam die Ursachen für das Verhalten.

Jan Nijboer hat für alle Persönlichkeiten eine passende Aktivität anzubieten. Von Apportieren, der Preydummiesuche, der Reizangel bis hin zum Treibball ist alles dabei.

 


 

Martin Rütter – DOGS

Martin Rütter ist durch seine eigene Sendung „Der Hundeprofi“ im Fernsehen bekannt, wo er Menschen und Hunde trainiert und durch einer seiner zahlreichen Comedy-Shows. Er hat mittlerweile deutschlandweit Trainer, die seine Philosophie weiter tragen. DOGS trainiert auf keinem bestimmten Hundeplatz, sondern dort, wo das Leben stattfindet: Zuhause, in der Stadt oder im Büro. D.O.G.S – „Dog orientated Guiding System“ bedeutet „am Hund orientiertes Führungssystem“. Martin Rütter geht auf die Hunde und deren Bedürfnisse individuell ein und folgt keinem speziellen Schema. Sein Training wird individuell an den Hund angepasst. In erster Linie werden die Halter geschult und viel über die Körpersprache des Hundes gelehrt, denn häufig beginnt das Problem bei fehlender oder unkorrekter Kommunikation. Die Hundehalter sollen lernen auf die Zeichen und Signale eines Hundes zu achten, damit diese entsprechend einschreiten, korrigieren oder loben können. Viele Hunde sind entweder überfordert, unterfordert oder werden ganz einfach Missverstanden. Der Hund benötigt eine Führung. Das Training ist an der natürlichen Veranlagung des Hundes zum Aufbau der Sozialstruktur orientiert. Nur ein vernünftig ausgelasteter Hund ist dauerhaft glücklich.

DOGS setzt auf Vertrauen und Bindung, es wird lediglich körpersprachlich korrigiert, es werden keine Hilfsmittel, wie Stachelhalsbänder, Wurfketten, Schütteldosen oder Elektroschocks für eine Korrektur verwendet. Um den Hunden bei z.B. erhöhten Jagdpotential ein Alternativverhalten bieten zu können, wird hier ebenfalls mit Preydummies oder der Reizangel gearbeitet.

DOGS von Martin Rütter ist schwer zu erklären, denn dieses Training wird auf den Hund abgestimmt. Es ist ein System, was kein System ist.

 


 

Anita Balser – Hundeteamschule

Anita Balser und ihre Trainer vermitteln durch DVD’s und stetigen Seminaren ihr Wissen. Auch kostenloses Material via Facebook und Yap-Yap-App werden den Haltern zur Verfügung gestellt. Die Arbeitsweise ist an die Natur des Hundes angeleitet. Es werden keine Hilfsmittel verwendet und es findet keine Konditionierung mit Leckerlis statt. Die Hunde lernen, sich an ihrem Führer zu orientieren, diesen zu respektieren und Grenzen zu akzeptieren. Unerwünschtes Verhalten wird korrigiert und die Korrektur folgt einem sogenannten Ampelsystem. Sofern das Grün nicht stimmt, kommen andere Korrekturen beim Hund nicht mehr an. Diese achten sehr auf die eigene Körpersprache und benötigen Sicherheit. Das Energielevel des Hundes soll dauerhaft gering gehalten werden. Gelb ist die Ankündigung einer körpersprachlichen Verwarnung bei unerwünschtem Verhalten. Rot ist die Korrektur, eine taktile Berührung, die oftmals jedoch gar nicht notwendig ist, wenn man bereits vorab richtig kommuniziert. Die Korrekturen sind an die hündische Kommunikation angelehnt. Wichtig ist ebenso, gemeinsame Zeiten für Arbeit-, Spiel und Kuscheleinheiten zu finden.

Die Intensivität der Korrekturen ist vom Erregungslevel des Hundes abhängig und sollte, bevor man hier Fehler begeht, von einem Trainer abgeklärt werden. Der Sinn der Korrekturen ist, die Abwesenheit von Korrekturen. Das Ziel ist, die „große Freiheit“ mit seinem Hund zu erreichen und diese beruht auf gegenseitigem Vertrauen und der ständigen Kommunikation/Abfrage beim Hundehalter in der Freifolge. Es ist nicht nur Training, es ist eine Lebensweise mit dem Hund.

Anita Balser bietet neben der Hundeerziehung auch Hundesport, wie das Longieren, der Dummysuche oder die Objektsuche an.

 


 

Brigitte Hirsch – Mensch/Hund Coaching

Brigitte Hirsch bietet neben dem Einzelcoaching auch Seminare und Webinare an. Sie beginnt bei einem Training nicht bei dem Hund, sondern beim Menschen. Denn oft spiegelt sich das eigene Fehlverhalten in der Körpersprache und Kommunikation des Halters in unserem Hund wieder. Hier geht es nicht darum, welche vermeintlichen Probleme der Hund zeigt. Der Besitzer lernt seinen Hund so zu führen, dass diese Probleme gar nicht erst entstehen. Es wird lediglich mit der körpersprachlichen Kommunikation, ohne Gewalt, ohne Leckerli, Spielzeug oder anderen Hilfsmitteln gearbeitet.

Wichtig vor dem Training oder Spaziergang ist, eine ruhige Basis zu schaffen, damit der Hund nicht aufgeregt ist. Dies erlangt man u.a. durch Ruheübungen, die man auch draußen anwenden kann, bzw. auch soll. Sofern die Basis stimmt und der Hund trotz dessen unerwünschtes Verhalten zeigt, lehrt auch Brigitte Hirsch die Korrektur anhand eines sogenannten Ampelsystems. Dies ist an der Kommunikation von Hunden untereinander angelehnt. Die Intensivität ist von Hund zu Hund unterschiedlich und sollte, bevor man einen Fehler begeht, von einem Trainer abgeklärt werden. Die Belohnung für richtiges Verhalten erfolgt über die Körpersprache, sei es durch ein Lächeln, die eigene Ausstrahlung oder die Körperhaltung. Der Hund sollte seinen Halter außerdem nicht räumlich beschrenken, z.B. wenn er sich vor diesen legt.

Brigitte Hirsch züchtet selbst Australian Shepherds und konnte sich so die Kommunikation zwischen der Elterntiere und der Welpen abschauen und daraus lernen. Auch die Welpen werden von ihr von klein auf „gehirscht“. Man spricht bei Brigitte Hirsch oftmals von einem „Phänomen, welches man selbst erlebt haben muss„, denn die Art und Weise, wie sie ihr Wissen vermittelt und welchen Zauber sie versprüht, wäre schwer zu erklären.

 


 

Cesar Millan – Der Hundeflüsterer

Cesar Millan kennt man aus dem Fernsehen, aus der Zeitung oder von seinem Live-Programm, mit dem er bereits in Deutschland aufgetreten ist. Er lebt in den USA und sieht das Problem auch in erster Linie in den Hundehaltern, wenn ein Hund verängstigt oder aggressiv ist. Seine Philosophie ist ein Grundsatz aus drei Eckpfeilern die nach seiner Meinung genau in der folgenden Reihenfolge stehen: Bewegung, Disziplin und Zuwendung. Es kommt auch auf die Energie eines Menschen an, welche sich automatisch auf den Hund überträgt. Sofern der Halter bereit ist, sich und seine Energie grundsätzlich, in allen Lebenslagen zu ändern, wird sich diese auch auf den Hund übertragen. Der Mensch soll seine Energie kontrollieren und ausgeglichen sein. Er muss, damit der Hund nicht die Führung übernimmt, aber auch bestimmend sein. Hunde werden zu sehr vermenschlicht und dadurch machen diese, was sie wollen. Zuwendung bedeutet nicht immer, den Hund zu streicheln oder mit diesem zu kuscheln, sondern das Erfüllen von lebensnotwendigen Bedürfnissen allein kann schon Zuwendung bedeuten (z.B. einem durstigen Hund, Wasser zu geben).

Cesar Millan hält daran fest, dass der Halter die Stellung des Rudelführers einnehmen muss und der Rudelführer bringt dem Hund Ruhe, Selbstsicherheit und Begeisterung bei. Der Hund soll sich unterordnen und seinen Rudelführer respektieren. Er darf und muss aber, wenn das allein nicht reicht und er keine andere Möglichkeit sieht, auch robuste Erziehungsmittel einsetzen. In den USA sind Hilfsmittel nicht verboten und Cesar Millan verwendet diese, wenn der Halter bereits damit trainiert hat und lehrt u.a. die richtige Umgangsweise.

 


 

Tanzen uns die Hunde auf der Nase rum, wenn wir lediglich Positives bestätigen? Können wir überhaupt wie Hunde körpersprachlich kommunizieren, wie ein Hund handeln, denken und verständnisvolle Korrekturen ausführen? Wer weiß das schon. Die Praxis und die jahrelange Erfahrung zeigt, dass beides funktioniert, wenn man an die Methodik glaubt und diese lebt. Ein Hund ist nicht von heute auf morgen erzogen oder Probleme sind beseitigt. Die Erziehung erfordert Geduld, Ausdauer und Konsequenz.

Vielleicht ist dem einen oder anderen aufgefallen, dass die Methoden sich teilweise sehr ähneln? Vielleicht liegt die Wahrheit genau in der Mitte. Wichtig ist, dass man heutzutage viel mehr über den Hund weiß und versteht, sich weiterentwickelt und sich nach den Bedürfnissen richtet. Frühere Methoden mit Hilfmitteln oder Gewalt gelten mittlerweile als veraltet. Natürlich muss niemand nach einer Methodik erziehen, aber sie können uns helfen, den richtigen Weg zu verfolgen.

Wir sollten aufhören andere Leute wegen Ihrer Auffassung zu kritisieren, denn wir verfolgen alle nur ein Ziel. Wir wünschen uns einen glücklichen, zufriedenen Hund und ein entspanntes Miteinander. Und dabei sollten wir auf unser Herz hören. Die Hundesprache ist und wird für uns immer eine Fremdsprache bleiben.

Bei weiteren Fragen oder Interesse an einem Training, wendet euch bitte via Facebook oder dazugehöriger Homepage an die Trainer.

Zu guter Letzt möchte ich mich herzlich bei lottifant, vershepherd, franzi_maliah, tochter_plotzen_hotz (Instagram) sowie Hans, Katharina und Nicole (Facebook) für das offene Ohr, die Hilfe und Unterstützung bei diesem Beitrag bedanken.

Für welchen Weg habe ich mich entschieden? Das könnt ihr hier nachlesen.

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