Zwischen erwachsen werden und Kind bleiben

In meinem Freundeskreis und auch bei uns ist derzeit ein regelrechter Boom. Die einen bauen fleißig ein Haus, bekommen Kinder oder heiraten. Andere leben wiederum in den Tag hinein, studieren oder besuchen ein Festival nach dem Anderen. Die 20er sind meiner Meinung nach eine absolute Findungsphase. Was möchte ich eigentlich werden? Wo möchte ich hin? Woraus habe ich gelernt und was möchte ich ändern?

Wenn ich mich selbst betrachte, stecke ich gerade mit meinem 25 Jahren mittendrin. Ich habe geheiratet, ein Häuschen gebaut und werde erwachsen. Dabei möchte ich noch am liebsten dieses Jahr ins Disney Land, die nächste Wasserrutschte runterrutschen und mich unabhängig und frei fühlen. Wie fühlt man sich so mittendrin? Ich habe euch ein paar Gedankengänge aufgeschrieben. Vielleicht erkennt sich der ein oder andere ja wieder?

  

Zwischen Erwachsen werden und Kind bleiben

Ich bin noch so jung und fühle mich manchmal älter.
Ich hätte gerne eine eigene kleine Familie und würde gern vielmehr reisen.
Ich möchte erwachsen werden und die Kinder von der Hüpfburg schmeißen.
Ich muss wichtige Entscheidungen treffen und wende ich mich bei Rat an meine Eltern.
Ich trage Verantwortung und handle leichtsinnig.
Ich habe früher immer zu meinen großen Brüdern aufgesehen und nun ziehe ich gleich.
Ich verdiene eigenständig Geld und hoffe, dass Papa den Restaurantbesuch bezahlt.
Ich tröste andere und möchte von meinen Eltern getröstet werden.
Ich ärgere mich, wenn man mich nach dem Ausweis fragt und freue mich jung auszusehen.
Ich habe Angst, dass meine Eltern nicht ewig leben und rede mit Ihnen über das Ende.
Ich freue mich über jeden Geburtstag und wünsche mir ein paar Jahre zurück.
Ich möchte selbst Kinder kriegen und möchte das Kind meiner Eltern bleiben.
Ich habe ein neues Zuhause und meine Familie wird immer mein zweites Zuhause bleiben.
Ich gebe mich manchmal älter, als ich bin und renne im Garten vor der Wasserpistole weg.
Ich gehe wählen und mir fällt die die Wahl meines nächsten Schrittes schwer.
Ich habe aus meinen Fehlern gelernt und fasse neue Herdplatten an.

 

Was kommt jetzt?

Die Schulzeit, die Ausbildung, der Führerschein, die erste eigene Wohnung, der Weg bis heute ist im Nachhinein unglaublich schnell vorbeigegangen. Es ist so viel passiert und wenn du die erste Phase, deines beruflichen Werdegangs hinter dich gebracht hast, hältst du auf einmal Inne und atmest durch. Was kommt jetzt? Lass ich jetzt nochmal die Sau raus, bevor ich weitergehe oder baue ich mir ein Nest, wo ich bleiben kann?  

Ich befinde mich derzeit in einer Findungsphase. Ich bin da angekommen, wo ich immer sein wollte und worauf ich all die Jahre hingearbeitet habe. Und nun, muss es weitergehen. Neue Träume und neue Ziele. Schließlich hat die Welt noch so viel mehr zu bieten, noch so viele Jahre, die sie mich aushalten muss. Manchmal überschlagen sich meine Gedanken regelrecht, manchmal will ich zu viel zur gleichen Zeit und manchmal werde ich müde und blockiere.

  

Müssen wir uns überhaupt entscheiden?

Viele wollen vor den weiteren Schritten nochmal die Karriereleiter aufsteigen, die Welt bereisen oder haben noch so einige andere Sachen auf der To Do Liste. Wir schieben viele Dinge vor, bevor wir uns dazu entschließen beispielsweise eine Familie zu gründen. Ich habe schon öfter gehört, dass viele die große 30 fürchten, in Stress geraten und sich damit selbst blockieren. Das Leben ist dann aber nicht vorbei und ich sage mir immer, wenn ich die Kinderplanung abgeschlossen habe, dann lege ich mit meinem Partner oder beruflich nochmal richtig los. Das habe ich von meiner Mutter, denn auch das war ihr Plan. Nur muss man immer wieder feststellen, dass alles anders kommt, als man denkt.

Was ist, wenn die Ehe nicht hält, man kein Geld zum Reisen durch eine Krankheit oder einem Vorfall hat oder man sich einfach nicht mehr in der Lage dazu fühlt? Was ist, wenn man alles andere vorher erledigen will und letztendlich feststellt, dass man mit 50 auf einmal zu alt für Kinder ist? Bevor noch dieser Beitrag fertig war, zeigte ich ihn meiner Mutter. Und sie gab mir etwas mit, was vollkommen einleuchtend war.

Du kannst alles haben, du kannst alles machen, du musst es nur wollen. Man sollte nichts aufschieben, auf nichts warten oder etwas verplanen. Wir sollten alleine, mit unserem Partner oder mit unseren Kindern, genau das erleben, was wir in dem Moment erleben möchten. Und das nicht erst, wenn wir 30, 40 oder 60 Jahre alt sind, weil wir davor etwas anderes erledigen mussten. Es gibt dafür keine zeitliche Begrenzung, es gibt keine Vorschriften.

Lebe im hier und jetzt und nicht in der Zukunft. Niemand gibt dir die Zeit zurück. Allerspätestens, wenn die Kinder aus dem Haus sind, wird dir bewusst, wie schnell die Jahre an dir vorbeigezogen sind. Du bist dann plötzlich wieder 25 Jahre alt, hältst inne und atmest durch. Genau dann, sollte man sich nicht fragen, wieso man alles aufgeschoben, aufgehoben oder wieso man eine Pause eingelegt hat. Mach Fehler, steh wieder auf und geh weiter.

Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch. – Erich Kästner

 

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