Ist der Australian Shepherd als Ersthund geeignet?

Eine Frage, die ich fast regelmäßig auf Instagram erhalte. Eine eindeutige und klare Antwort gibt es darauf nicht. Buddy ist mein erster eigener Hund und ich habe mir vor mehr als 6 Jahren die gleiche Frage gestellt. Nach fast 6 Jahren wage ich mich nun daran, der Frage eine Antwort zu geben.

Ursprung der Australian Shepherds

Den genauen Ursprung kann man heutzutage bestenfalls vermuten. Anders als erwartet, kommen diese jedoch nicht aus Australian, sondern aus Amerika.

Eine Rasse, die zum Hüten gezüchtet wurde und als unerschöpflich und intelligent gilt. Amerikanische Viehhalter waren von diesen Hunden ganz besonders angetan, da diese Rasse nicht „kaputtzukriegen“ war und man sie förmlich zwingen musste, auch mal Pause zu machen. Aussies haben dazu einen eigenen Kopf und haben beim Hüten stets mitgedacht. Durch ihre aufmerksame Art, haben Sie sich ebenfalls als Schutzhund durchgesetzt.

Vor der Anschaffung eines Australian Shepherds sollte man sich sorgfältig über die Rasse informieren. Ausführliche Rassebeschreibungen erhaltet ihr u.a. auf diesen Seiten:

https://www.myaustralianshepherd.de/

https://www.aussie.de/

Vorurteile

Vor kurzem habe ich auf Instagram eine Umfrage gestartet, was die meisten Vorurteile über diese Rasse sind. Folgende wurden dazu genannt:

  • Braucht keine Ausbildung, macht alles von allein
  • Hütet Kinder
  • Balljunkie
  • Viel Auslauf und Beschäftigung
  • Nicht für Anfänger geeignet
  • Man benötigt Schafe zum Hüten
  • Aufgedreht und Aktiv
  • Kann nicht still sitzen
  • Kontrollfreak

Meine Erfahrung

Ich denke, es ist unglaublich wichtig zu wissen, woher der Australian Shepherd kommt und wo sein Ursprung ist, denn darauf beruht so vieles. Eigenschaften, die man früher als Arbeitshund sehr an diesen Hunden geschätzt hat, sind heutzutage Eigenschaften die für viele Probleme sorgen.

Der heutige Australian Shepherd ist mit der früheren Zucht nicht mehr 1:1 zu vergleichen, aber dennoch bleibt es ein und dieselbe Rasse. Der Ursprung lehrt uns jedoch, dass es unglaublich wichtig ist, diesen Hunden zu zeigen, was Ruhe bedeutet. Denn würde man sie lassen, würden sie bis zum Tode arbeiten. Ich habe mal gelesen, dass anders wie bei Border Collies, der Aussie so gezüchtet wurde, dass er beim Hüten mitdenkt und nicht nur ausführt. Sie haben ihren eigenen Kopf und sind dazu noch sehr intelligent. Eine Mischung, die eine Erziehung nicht immer einfach macht.

Diese Hunde benötigen eine klare Führung und Besitzer, die wissen, worauf sie sich einlassen. Sofern man den Ursprung und gewisse Problematiken kennt, hat man von Anfang an eine Basis, aus diesen Hunden tolle Wegbegleiter zu machen.

Bevor ich Buddy bekam durchforstete ich etliche Foren, Artikel und Bücher, um mich bestmöglich über diese Rasse zu informieren. Ich hatte Angst dem Hund nicht gerecht werden zu können und sah mich bereits nach einer anderen Rasse um, denn der Aussie wurde ausdrücklich nicht als Ersthund empfohlen. Aber wieso sollte ich auf etwas warten, was ich so unbedingt wollte? Ich liebte ihr Wesen, liebte die verrückte, agile und durchgeknallte Art. Im Winter 2012 entschied ich mich gegen die Regeln und adoptierte bewusst einen Australian Shepherd.

Bereits als junger Welpe war mein Hund sehr aktiv und wild. Früh morgens forderte er bereits Spieleinheiten ein, um kurz darauf wieder in seinen Schlaf zu fallen. In der Hundeschule galt er nahezu als Musterschüler und beherrschte die Grundkommandos recht schnell. Auf Spaziergängen hatte er jedoch stets seinen eigenen Kopf und diesen hat er noch heute. Gerade als Rüde hinterfragt er meine Kommandos und tastet sich immer wieder an die Grenzen heran. Er ist furchtbar intelligent und hat meine Schwächen immer schnell herausgefunden, was mich oft an meine eigenen Grenzen gebracht hat. Nicht zu vergessen, dass er oft einen Sinn hinter einem Kommando benötigt, denn ansonsten stellt er sich gerne stur.

Dazu ist er sehr sensibel und feinfühlig. Sofern ich in Hektik bin, ist es mein Hund auch. Fühle ich mich unausgeglichen und gestresst, überträgt sich diese Stimmung auf meinen Hund und auf das Training. Gebe ich keine klare Führung vor, übernimmt mein Hund die Führung. Gebe ich ihm keine Aufgabe, dann sucht er sich eine.

Er liebt es zu arbeiten. In jungen Jahren haben wir begonnen ein paar Tricks einzustudieren, welche er schnell ausgeführt hat. Im Hundesport ist er immer einer der agileren Hunde, der es kaum abwarten kann, die Kommandos auszuführen und zu arbeiten. Wir haben auf ruhigere Hundesportarten gesetzt, da er durch seine aufgedrehte Art dazu neigt, die Kommandos übereifrig und nicht genau auszuführen. Beispielsweise kommt es beim Longieren darauf an, dass der Hund genau auf die Körpersprache achtet und sich keinen Fehler leisten kann. Er muss viel mitdenken und ist nach wenigen Runden ziemlich müde.

Zuhause ist mein Hund die Ruhe selbst. Ein Hund hütet auch nicht den gesamten Tag sein Vieh, er benötigt seine Ruhephasen. Gerade dem Australian Shepherd muss man jedoch zeigen, was Ruhe bedeutet. Von Anfang an ist daher das Ruhetraining das A und O. Es gibt Tage, da bin ich viel mit meinem Hund unterwegs und habe regelrecht Mitleid mit ihm, dass er nicht zwischenzeitig entspannen kann. Auf der anderen Seite, kann ich auch mal einen gesamten Tag mit ihm auf der Couch liegen, eine große Runde gehen und es genügt ihm.

Einen Hütehund kann man sehr schnell überfordern. Trainierst du täglich mit deinem Hund, forderst du immer mehr von ihm und gehst stundenlang spazieren, dann wirst du auch einen Hund bekommen, der dies einfordert. Es ist ein Mythos dem Australian Shepherd enorm viel Auslauf und Beschäftigung geben zu müssen. Man kann, aber muss nicht. Natürlich sind dies agile Hunde. Eintönige Spaziergänge, immer an der Leine, um den gleichen Block, werden diese Rasse nicht glücklich machen. Sie brauchen Bewegung, sie wollen die Welt erkunden und immer neue Gerüche aufschnappen. Allerdings sind dafür 2-3 Stunden täglich auch ausreichend.

Ein Australian Shepherd bedeutet Arbeit. Vor allem an sich selbst. Denn sie werden dich herausfordern, dich an deine Grenzen bringen, aber es lohnt sich. Du wirst einen Freund fürs Leben erhalten, der nicht von deiner Seite weicht. Denn sie wollen ihre Menschen 24 Std / 7 Tage um sich haben und ihnen gefallen. Es wäre nicht richtig, einen Aussie in einen Zwinger zu sperren oder nicht genügend Zeit für diesen aufbringen zu können. Diese Hunde brauchen dich, so wie du sie brauchst.

Nicht zu vergessen ist, dass Aussies sehr gerne kontrollieren. Sie haben ihre Augen und Ohren überall und bekommen alles mit. Dennoch könnte ich mir heute keinen anderen Hund mehr für mich vorstellen. Sie sind einfach einmalig und toll. Ich liebe es mit meinem Hund zu arbeiten, mit ihm zu spazieren und zu kuscheln. Sie haben eine ganz besondere Seele, wollen dich verstehen und nehmen jede Gefühlslage von dir wahr. Sie sind Fremden gegenüber oft misstrauisch, aber dennoch vorsichtig und gutherzig. Es wird einfach nie langweilig.

Ich wusste also von Anfang an, worauf ich mich einlasse.

– Mein Hund ist kein Balljunkie, weil wir kaum mit Bällen spielen
– Er hütet keine Kinder, weil ich ihm nicht die Möglichkeit dazu gebe
– Er zwickt mich nicht, weil ich ihm eine Grenze gesetzt habe
– Im Haus ist Ruhe angesagt, sobald ich dies einfordere
– Ich habe keine Schafe, laste ihn aber kopftechnisch im ruhigen Hundesport aus
– Er hat durch seine sensible Art eine Leinenaggression entwickelt (nicht unüblich), an der wir stetig arbeiten
– Wir setzen auf ruhige Sportarten, da ich diese aktive und aufgedrehte Hunde mit Agility nicht noch höher fahren wollte
– Nein, mein Hund hat nicht alles ohne Ausbildung gekonnt. Noch heute besuchen wir in einigen Abständen eine Hundeschule.

Ja, mein Hund ist durchgeknallt, verrückt, manchmal völlig überdreht, aktiv, verspielt, lernwillig, verschmust, fordernd, kontrollierend, liebevoll und ein stets guter Begleiter in allen Lebenslagen.

Ist der Australian Shepherd als Ersthund geeignet?

Diese Frage kann ich mit einem klaren „Jain“ beantworten. Sofern du nicht bereit bist, dich zu hinterfragen, selbstkritisch zu sein, dich auf diese Rasse einzulassen, immer wieder neues zu lernen und niemals auszulernen, dann solltest du dich fragen, ob überhaupt ein Hund für dich der richtige Weggefährte ist. Jeder Hund benötigt Auslauf, Zuneigung, Kopfarbeit, Beschäftigung und Ruhephasen.

Bist du bereit, dich auf die Rasse einzulassen, dich zu belesen und ausdauernd zu arbeiten, dann kannst du dir die Frage mit „Ja“ beantworten. Denn auch dann, ist ein Australian Shepherd als Ersthund geeignet. Wieso solltest du dich halbherzig zunächst auf eine andere Hunderasse einlassen, um an dieser zu „üben“, anstatt bereits dein Bestes für deinen Herzenswunsch zu geben?

Du musst keine Sportskanone sein, um der Rasse gerecht zu werden. Du solltest jedoch Spaß daran haben, etwas mit deinem Hund zu unternehmen oder zu machen.

Du solltest bei jeder Entscheidung, die ein Lebewesen involviert darüber bewusst sein, was dies bedeutet. Ein Australian Shepherd hat eine Lebenserwartung von 13-15 Jahren. Vor der Anschaffung solltest du dir also ebenfalls folgende Fragen stellen.

– Wie viel Zeit kann ich dem Hund am Tag widmen?
– Wer kann in meiner Abwesenheit, bei Urlaub, Krankheit o.ä. auf den Hund aufpassen?
– Was passiert bei einem unvorhergesehenen Arbeitswechsel oder einem Beziehungsende? Wer behält den Hund?
– Habe ich genügend Geld, um den Hund bei Krankheit oder Unfall tierärztlich behandeln lassen zu können?
– Kann ich Kind und Hund gerecht werden?
– Bin ich bereit, bei Schwierigkeiten an einer Lösung zu arbeiten und ggf. Geld in einen Hundetrainer zu investieren?
– Habe ich oder ein Familienmitglied eine Allergie?

Sofern du nur eine Frage unzureichend beantworten kannst, solltest du wirklich darüber nachdenken, ob ein Hund die richtige Wahl ist. Für einen Hund ist es ein Albtraum, aus seiner Familie herausgerissen zu werden. Sofern ein Hund zum Problemhund wird, solltest du dich zu 99% selbst reflektieren und überlegen, was DU falsch gemacht hast. Denn du hast ihn erzogen und zu dem gemacht, was er heute ist. Darunter sollte nicht dein Hund leiden müssen.

Wie beantworten andere Australian Shepherd-Besitzer diese Frage? –Hier– kommst du zu den Erfahrungsberichten.

2 Kommentare

  1. Der Aussie war mein dritter Hund. Als er zu mir kam hatte ich einen Labradormischling und machte Agility in einem Verein, der überwiegend Border ausbildete. Einen Border als Zweithund traute ich mir damals nicht zu. Es wurde ein Aussie, weil der als Border light galt……😁 heute habe ich drei Border aber mein Herz gehört ausschließlich dem Aussie. Es sind grundverschiedene Rassen. Ich könnte nie mehr als einen Aussie haben, weil sie so präsent sind und den ganzen Raum einnehmen. Border kann man gut mehrere haben; daß sind Leichtgewichte dagegen. In wenigen Punkten muß ich der Autorin wiedersprechen: der Aussie benötigt weniger mentale Auslastung als ein Border und die meisten Aussies haben ihre Hüteeigenschaften weggezüchtet bekommen. Sie hüten auch nicht sondern treiben, und das machen sie mit ihrer Präsenz und nicht mit Auge. Ich finde das Schafe und Aussies nicht so gut zusammen passen…..da stimmt das Gleichgewicht nicht.
    Traurig finde ich, daß der Aussie sich tw weit von seinem tollen Ursprung wegentwickelt hat. Ich denke, daß liegt daran, daß viele Züchter die Nachfrage nach schönen, bunten Hunden bedienen wollen. Im Gegensatz dazu haftet dem Border(glücklicherweise) der Geruch an „schwierig“ zu sein. Deswegen ist er „nur“ in der Sportlerszene gefragt…..Die Nachfrage schlägt sich auch im Preis nieder…..Aussies sind im Schnitt 25% teurer. Diese Nachfrage schadet letztendlich der ursprünglichen Rasse…..bis hin daß clevere (sprich geldgeile) Züchter auf die Idee kamen Toy Aussies zu züchten. Diese Züchtungen haben nun überhaupt nix mehr mit dem ursprünglichen Aussie zu tun. Ich bin ein absoluter Liebhaber des kernigen, territorialen, distanzierten und 100% loyalen Hundes, der leider immer seltener zu finden ist.
    Ob dieser Aussie ein Hund für Menschen ist, die vorher noch keinen Hund hatten? Vorausgesetzt, daß es sich um einen Menschen handelt, der sich wirklich und umfassend auf das Abenteuer Hund einlassen will, sehe ich da keinen Unterschied zu einem Goldie oder Pudel oder….LG Hylda

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