SSW 39: Die letzten zwei Wochen Unabhängigkeit

SSW 39: Die letzten zwei Wochen Unabhängigkeit

(M)Eine Schwangerschaft habe ich mir immer anders vorgestellt. Manchmal anstrengender, manchmal ruhiger, manchmal kürzer und manchmal schneller. Körperlich ging es mir fast durchweg gut. Wassereinlagerungen, Pickel, minimale Übelkeit, Müdigkeit durch Eisenmangel und ab und zu Sodbrennen, das waren Dinge, die mich zwar genervt, aber nicht weiter gestört haben. Was ich hingegen unterschätzt habe, war die seelische Belastung. Psychisch habe ich wohl alles mitgenommen, was mir physisch fehlte. Aber nun sitze ich hier und habe es so gut wie geschafft. Und bin mehr als stolz auf mich, wie ich in den letzten neun Monaten über mich hinaus gewachsen bin und wie viel ich über mich und meinen Körper gelernt habe.

Noch vor wenigen Wochen und Monaten hatte sich der sogenannte Nestbautrieb in meinen Kopf gepflanzt. Mein Körper wollte seine letzte Energie nutzen, um alles „klarschiff“ zu machen. Ich war regelrecht besessen davon, das gesamte Haus umzukrempeln und auch im Kinderzimmer, musste alles an Ort und Stelle sein. Dabei wird unser Sohn zunächst in unserem Schlafzimmer schlafen und von seinem Zimmer haben bestenfalls wir etwas. Ganz davon abgesehen, dass es ihn herzlich wenig interessieren wird, wie der Rest des Hauses aussieht. Aber Frau macht sich nun mal ihre Gedanken.

Zwei Wochen vor dem voraussichtlichen Geburtstermin kehrt plötzlich eine merkwürdige Stille ein. Die Energie sinkt, der Bauch zieht nach unten und mir wird bewusst, dass das Leben sich bald verändern wird. Man kann sich viel vorstellen, viel planen und vor allem vorbereiten. Letztendlich zeigt sich die Realität erst, wenn es soweit ist. So, wie eben vor der ersten Schwangerschaft.

Darum habe ich auch beschlossen, die letzten Wochen einfach zu genießen so lange es noch geht. Keine Babybücher, Videos und Berichte. Nur mein Hund, mein Mann, viel Schlaf, Ruhe und ich. (Fast) alles machen, was mit Kind zunächst kürzer kommen wird. Genau so sollen meine letzten zwei Wochen sein. Ich will mich nicht verrückt machen, bevor die Dinge eingetreten sind und ich will Lösungen suchen, sobald Probleme erst aufgetreten sind.

Gerade jetzt habe ich einfach das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Und das tut gut.

Angst vor der Geburt?

Ehrlich gesagt, nein. Aber ich bin nervös. Nervös vor den Gefühlen, die mich erwarten werden oder können. Diese Ungewissheit, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Jede Geburt, jedes Baby und jeder Mensch ist so individuell, dass es einfach eine Überraschung bleiben wird. Ich liebe einerseits Überraschungen, jedoch bin ich ein absoluter Planungsmensch und diese Ungewissheit macht mich schlichtweg nervös.

Baby & Hund

Wie siehts mit Buddy aus? Haben wir ihn vorbereitet?

Ich hab mich deswegen wirklich oft verückt gemacht. Dutzende Fragen gingen mir durch den Kopf. Ich wollte alles perfekt machen, perfekt vorbereiten. Und doch ging mir zum Schluss nur noch ein Satz durch den Kopf: I don´t give a f***.

Seit sechs Jahren begleitet mich Buddy bereits in meinem Leben. Sechs Jahre in denen wir zusammen durch Höhen und Tiefen gegangen sind. Niemand sonst kennt mein Hund besser als ich. Er ist nicht perfekt, aber ich kenne ihn. Ihn und seine Macken. Und wir werden auch das gemeinsam schaffen, weil ich ihn einfach kenne. Und ich weiß, dass er ein Hund ist und bleibt, was ihn jedoch noch lange nicht zu einer Bestie macht.

Seitdem ich losgelassen habe, ist auch etwas wunderbares passiert. Unverhofft und ungeplant. Wir haben einen Weg aus der Leinenaggression gefunden. Mein Bauchgefühl sagt, dass es der richtige Weg ist und plötzlich schwindet unsere letzte Baustelle. Ich sehe nur noch Lösungen und bin regelrecht süchtig nach diesem euphorischen Gefühl. Diesem Gefühl, dass es voran geht.

In zwei Wochen kann man nichts mehr reißen. Wir werden diese Problematik nun nicht mehr 100% aus der Welt schaffen. Aber bei all der Vorbereitung, bei der ganzen Planung für das Baby, sollte man eins nicht vergessen – es gibt noch ein danach. Und auch danach, kann man alles schaffen, was man sich vornimmt. Danach ist noch lang nicht alles vorbei. 

Mir fehlt das Schreiben

Es gab so einige Momente in der Schwangerschaft, da war Buddy der einzige Grund morgens und abends aufzustehen. Ich hatte keine Energie, keine Ideen und keine Lust. Ich bin ein Meister darin, sich selbst abzulenken und den Fokus auf die unnötigen Dinge zu lenken. Sich einfach nur von Nachrichten, Instagram oder dem Fernsehen beschallen zu lassen. 

Das liegt zumeist an einem Perfektionismus, den ich irgendwo zu haben scheine. Der Grund, wieso hier so vieles liegen bleibt, weil ich Angst habe es falsch anzugehen. Und auch, wenn ich mir immer wieder sage, dass man sich nur mit Übung weiterentwickeln kann, Meinungen mir egal sind und noch nie ein Meister vom Himmel gefallen ist, ist und bleibt es ein hartes Stück Arbeit an mir selbst.

Ich möchte diese Barriere jedoch endlich durchbrechen. Deswegen habe ich beschlossen, nun am Ball zu bleiben und Blogtage auszuwählen. Ich komme zwar derzeit nicht dazu den Blogroman weiterzuführen, aber ich möchte meine eigene Geschichte weiterschreiben. Eigentlich wollte ich euch mit auf die Reise meiner Schwangerschaft nehmen, dann kam jedoch alles anders. Aber es gibt auch noch ein danach. Und dieses danach werden wir nun angehen. Auch mit weniger Unabhängigkeit. Denn eines sollte man nie vergessen und das ist sich und seine eigenen Bedürfnisse.

Ich danke Dir vom Herzen, wenn du neu dabei bist oder beschlossen hast, einfach zu bleiben. Es wird hier noch so viel passieren und ich bin endlich bereit dazu, es anzugehen.

Madeleine Sophie

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