Der perfekte Hundetrainer

Egal ob Erst-, Zweit oder 10. –Hundebesitzer. Wir alle standen doch einmal vor der gleichen großen Aufgabe, als ein neuer Hund in unser Leben getreten ist.

Wie erziehe ich meinen Hund, und vor allem richtig?

Ich erinnere mich noch gut daran, als Buddy bei mir eingezogen ist. Wir hatten zwar in der Familie zuvor einen Hund gehabt, aber dieser wurde nie wirklich erzogen. Der lief einfach mit, konnte Türen aufmachen und mit sich selbst spazieren gehen. Er hat keiner Fliege etwas zu Leide getan, war aber auch nicht immer gern gesehen, wenn er bei Tante Inge vor der Tür stand, weil Hündin Susi läufig war. Kastrieren? Warum denn? Als mein Vater mich damals von der Schule abholte war es unser Hund, der mich auf dem Beifahrersitz als erstes begrüßte. Keine Spur von einer Hundebox. Wir machten uns keine Gedanken darüber, ob der Hund jetzt genug Spielgefährten hat, das richtige Hundefutter bekam oder richtig ausgelastet wurde. Ich wusste nicht einmal, dass es Hundetrainer gab. Und trotzdem wurde Spike – so hieß meine erste große Hundeliebe – schlappe 16 Jahre alt, bis wir ihn leider altersbedingt gehen lassen mussten.

 

 

Und so wie ich den Text nun lese, merke ich, wie ich mich selbst auf die Schippe nehme. Denn bei Buddy sollte alles anders laufen. Ich wollte alles richtig machen und Disziplin wurde zur Tagesordnung.

 

 

Buddy war damals schon ein aufgewecktes Kerlchen. Er war früh wach und wollte toben, fing an mir in die Fersen zu beißen, wenn ich nicht parierte und stürzte sich auf sein Essen, als gäbe es kein Morgen mehr. Alles Dinge die mich störten, also fing noch vor dem ersten Tag der Hundeschule an, Regeln im Haus aufzustellen. Ich brachte Buddy bei, vor dem Essen auf mein Go zu warten, dass neben Spaß, auch Ruhe wichtig ist und ich setzte Grenzen. Das alles machte ich ohne Internet, Hundebücher oder Hundetrainer. Diese Dinge waren mir wichtig und so setzte ich mich durch. Und diese Regeln haben bis heute Bestand.

 

 

Als ich anfangs in eine Welpengruppe kam, ich wusste es leider nicht besser, brachte man uns als Erstes bei, die Hunde zum Spielen direkt loszuleinen. Buddy zog immer wie ein Irrer zum Hundeplatz, aber die Leinenführigkeit müsse man einem Welpen noch nicht beibringen, das kam später dran und in den nächsten Stunden und Wochen wurde der studierte kram heruntergerasselt. Auf den einzelnen Hund ist man hier wenig eingegangen. Das hätte man ja in Einzelstunden für mehr Geld dazu buchen können. Buddy war aussietypisch ein schlaues Kerlchen und parierte auf dem Hundeplatz wie ein Traumhund. Nur draußen zeigten sich Probleme und trotzdem fing ich an, nur noch auf den Hundetrainer zu hören.


Das Chaos nahm seinen Lauf


In der gleichen Hundeschule machten wir in einer Junghundegruppe weiter. Hier ging es dann um die Gehorsamkeitsregeln. Die Leinenführigkeit wurde mit einem Leinenruck mit anschließendem Umdrehen beigebracht. Wir liefen also auf dem Hundeplatz auf und ab und auch hier parierten die Hunde. Nur draußen, da klappt es bei uns nicht so ganz. Ich war nicht mit dem Herzen dabei und die Methode war für mich alles andere als Alltagstauglich. Ich erzählte der Hundetrainerin von meinen Problemen und uns wurde empfohlen es mit einer anderen Methode auszuprobieren, um Buddy zu führen. Also wurde kurzerhand die Leine um den Bauch gebunden, so dass diese sich bei Zug zusammenzog. Sofern wir diese Methode weiterhin nutzen möchten, sollten wir uns aber eine dafür ausgerichtete Hundeleine kaufen. Ich wusste es nicht besser und probierte diese Methode aus – ohne dauerhaften Erfolg – und die Leine kaufte ich übrigens nie. Irgendwie konnte es nicht richtig sein, einem Hund schmerzen zuführen zu müssen. Das war für mich keine Art der Kommunikation.

Wir wechselten danach öfter Mal die Hundeschule, mit guten, aber auch weiteren schlechten Methoden. Irgendwie kamen wir aber leider nie wirklich an. Ich nahm für uns oft nur einen Teil mit. Der Teil, der für mich und Buddy als bestes umsetzbar war.

 


Ich fing langsam an, auf mein Herz zu hören.


Irgendwann, begann Buddy eine Leinenaggression zu entwickeln. Heute weiß ich, dass ich ihn zu oft zu Hunden gelassen habe, ob mit oder ohne Leine. Buddy hatte gelernt, dass er mit Ziehen an sein Ziel kommt. Er wollte schon fast krankhaft zu anderen Hunden. Das ist für ihn ja auch immer lustig und spaßig gewesen, aber umso älter ein Hund wird, umso weniger wird das gewünscht und umso weniger verbirgt sich dahinter Spaß. Wir mussten nun lernen, uns an die Regeln dort draußen zu halten. Und das findet er bis heute ziemlich bescheiden. Aus dem vermeintlichen Ziehen, entwickelte er irgendwann Frust, der sich in Bellen äußerte. Und bis heute arbeiten wir daran, die Fehler der Vergangenheit wieder gut zu machen.

Nachdem ich bei jeder Hundebegegnung immer nervöser wurde, ruhige und stille Wege aufsuchte und Begegnungen bestmöglich aus dem Weg ging, war es für uns Zeit einen Weg aus dem Chaos zu finden.


Der Weg 
ins Glück

 

Ich habe Bücher gelesen, Internetseiten durchstöbert und Hundetrainer konsultiert. Bis mir eines klar wurde, nachdem Buddy bereits 5 Jahre alt geworden ist. Ich kenne meinen Hund am besten, ich weiß wie er tickt, wieso er so tickt und wie ich an mein Ziel komme. Ich bin und war schon immer die beste Hundetrainerin für meinen Hund. Denn es geht um unser Zusammenleben, meine Regeln und unser Team.

Versteht mich nicht falsch. Es ist super wichtig, dass es Hundetrainer gibt und ich würde auch immer wieder mit Problemen zu einem gehen und mir Hilfe holen. Es war für mich auch anfangs sehr wichtig einen Hundetrainer an meiner Seite zu haben, denn vorher kannte ich keine Regeln. Vielmehr geht es hier darum, sich selbst, die Methoden und auch den Hundetrainer zu hinterfragen – Mal wieder, mehr auf sein Herz zu hören und auf seinen Hund zu achten. Leider gibt es immer mehr Hundetrainer und ohne Vorkenntnisse, ist es gar nicht so einfach, an den richtigen zu gelangen. Wie oft haben wir unseren Hund schon in die falsche Richtung gelenkt, weil wir immer auf andere gehört haben? Es gibt keine Musterlösung für alle Probleme. Jeder Hund ist anders, jeder hat eine andere Vorgeschichte. Gebt Euch nicht auf, wenn eine Methode nicht klappt. Informiert euch über die Rasse und geht nicht davon aus, dass ein Hundetrainer 350 Hunderassen auswendig kennt und die diesbezüglichen Bedürfnisse. Versucht es weiter und findet eine Lösung.

Buddy und ich sind mittlerweile auf einem guten Weg. Es ist ein Licht, am Ende des Tunnels zu sehen und ich weiß, dass wir es schaffen werden.

 

2 Kommentare

  1. Ein sehr authentischer Beitrag! Zum Thema Welpengruppe/Hundeschule erleben wir aktuell auch immer wieder Highlights. Die einen sind der Meinung, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen, andere ändern ständig die „Methoden“ und wieder andere tun einfach gar nichts. Das Verhalten der Besitzer überträgt sich natürlich auch auf die Hunde, sodass wir nun schon den ersten „Zusammenbruch“ eines Welpen erleben mussten. Wie Du es schon so schön beschrieben hast, ist es toll in Hundeschule Informationen aufnehmen zu können – ob diese dann auch 1 zu 1 auf den eigenen Hund passen, sollte jeder selbst entscheiden.

    1. Danke Liebes :-). Ja, es ist verrückt, wie viele Hundeexperten es heutzutage auf dem Planeten gibt und wie die Menschen verlernen, auf ihren gesunden Menschenverstand zu hören.

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