Wie alles begann Teil 3

Wie alles begann Teil 3

In jedem Leben und jedem Kapital gibt es Dinge, die nicht so gut laufen. Dinge die aus dem Ruder geraten. Der dritte und letzte Teil von Buddys bisheriger Geschichte, ist vermutlich der für mich schwerste und persönlichste Teil. Nach diesem Teil sind wir im Jetzt angekommen. Hier geht es zu Teil 1 und Teil 2.

 

Der Wunsch nach Veränderung

Nachdem anfänglich alles so unglaublich gut geklappt hatte, machte sich langsam eine Unzufriedenheit bemerkbar. Mir gefiel mein neuer Job nicht. Der Weg den ich eingeschlagen habe, war nicht der Richtige gewesen. Eine Veränderung musste her. Ein Jahr hatte ich das Glück, meinen Hund auf die Arbeit mitnehmen zu können, aber das sollte leider nicht von Dauer sein. In Buddys 2. Lebensjahr suchte ich also einen neuen Job, bestenfalls mit Hund.

Durch eine Freundin bekam ich die Möglichkeit, wieder in meinem Ausbildungsberuf arbeiten zu können und der Chef hatte sogar nichts gegen Buddys Anwesenheit einzuwenden. Nur leider war eine liebe Kollegin allergisch und ängstlich gegenüber Hunden, so dass der Traum schnell verflog. Ein Glück gibt es Eltern, denn diese boten an, Buddy tagsüber zu sich zu nehmen und so bekam ich die Möglichkeit mittags zu meinem Hund zu fahren und diesen auszuführen, da beides in der gleichen Stadt war. Und das tat ich. Mir fällt es noch heute schwer mich irgendwelchen Leuten aufzudrängen, daher war ich mehr als glücklich darüber, dass meine Eltern mich direkt unterstützt haben. Gerade wenn man einen Hund hat, ist Unterstützung Gold wert.

 

 

Umzugsmarathon

In den letzten 4 Jahren haben Buddy und ich so einiges durchmachen müssen. Es folgte ein regelrechter Umzugsmarathon von 5 Umzügen und eine Trennung. Zum Glück blieben wir relativ im gleichen Ort und außer neuer 4 Wände änderte sich für Buddy beim Tagesablauf nicht viel. Ich konnte ihn in meiner Mittagspause generell ausführen und abends war er die Nummer 1. Dennoch gingen die Umzüge nicht spurlos an uns vorbei. Der Stress und die fehlende Zeit hat man uns angesehen. Ich vernachlässigte das Training und nahm vieles hin. Es schlichen sich Fehler ein. Irgendwie sind wir die letzten 4 Jahre nie wirklich angekommen und das machte so vieles so schwer.

Im Nachhinein betrachtet, hätte einiges besser laufen können, aber bei einer Sache war ich mir immer sicher. Auch wenn mir manchmal die Zeit fehlte und ein Hundeleben auch schöner aussehen kann, habe ich nicht eine Sekunde daran gedacht, meinen Hund wegzugeben. War ich egoistisch? Ich hatte immer ein Ass im Ärmel, ich hätte mir jederzeit Hilfe geholt, wenn es anders nicht funktioniert hätte. Ob nun meine Eltern, Freunde, die Oma von nebenan. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wenn das Leben nicht so spielt, wie man es gerne hätte. Buddy war mein Zuhause und ich war seins.

Und obwohl er ein Australian Shepherd ist und ich immer der Überzeugung war, dass der Kelch mit dem „will to please“ scheinbar an ihm vorbeigegangen ist, war er der genügsamste Hund den man sich vorstellen kann. Buddy hat mir nie die Wände zerrissen, ist zuhause völlig entspannt geblieben und hat sich schon immer sehr nach mir gerichtet. Wir hatten nie Probleme miteinander. Mit ihm kann man so richtig ausschlafen und entspannen. Er ist aber auch für jeden Spaß, jede Toberei und stundenlange Spaziergänge zu haben. Für mich ist er ein Traum von Hund. Er ist und bleibt unperfekt perfekt.

 

 

Hinter jeder Wolke verbirgt sich die Sonne

In seinem 3. Lebensjahr lernte ich meinen heutigen Ehemann kennen und endlich ging es bergauf. Bereits ab Beginn, wurden wir zu einer kleinen Familie. Im Jahr 2017, beschloss mein Mann ein Haus zu bauen und im letzten Jahr zogen wir drei dort ein. Dieses Jahr war noch einmal ein wirklich stressiges Jahr, aber es war ein schöner Stress. Was gibt es schöneres, als die eigene Zukunft gemeinsam aufzubauen? Im Februar 2018 gaben wir uns das Ja-Wort und Buddy war selbstverständlich dabei. Er ist es immer.

Heute kann ich sagen, dass wir endlich angekommen sind. Die innere Unruhe ist bei mir und Buddy verflogen. So viele Fehler müssen wir auf der Vergangenheit wieder aufarbeiten. Er war immer mein Beschützer und hat förmlich die Führung in unserem kleinen Rudel übernommen. Heute finden wir wieder die Zeit, die Ruhe und die benötigte Konsequenz uns intensiv um das Training zu kümmern und die Zeit miteinander genießen zu können.

Auch mein Mann unterstützt mich und kümmert sich um Buddy. Einen Weg gemeinsam zu bestreiten, ist um einiges leichter als allein. Derzeit kann ich mich mittags nicht mehr um Buddy kümmern. Dafür habe ich jedoch zum Glück meine liebe Schwiegermutter, die dies für mich tut und ihn tagsüber betreut. Eine Übergangslösung – Es gibt immer eine Lösung. Man muss es nur wollen.

 

 

Wie ist es heute?

Der kleine Kerl lernt noch heute die Leinenführigkeit. Er hat mit der Zeit gelernt, dass man Frauchen nur lange genug nerven muss, damit sie nachlässt, genervt ist und mal wieder verzweifelt. Es ist schon deutlich besser als vor gut einem Jahr, aber das Kerlchen hat es schon immer gehasst, sich unterzuordnen. Viel lieber möchte er die Führung übernehmen, ein paar Schritte vor einem gehen und den Kontrollgang durchführen. Seine Ohren und Augen übersehen nichts – draußen entspannen ist nur bedingt möglich. Jede Ameise und jeder Vogel wird registriert und bei Bedarf kontrolliert.

Das führt auch zu einer Frustration an der Leine. Durch diese kann er nicht seinen Kontrollen nachgehen und Nachbarshündin Susi beschnuppern. Das nervt ihn so sehr, dass sich dieser Frust in Bellen äußert, welches oftmals auch recht aggressiv wirkt. Auch im Freilauf besteht Buddy auf sein Recht mal am Popo schnüffeln zu dürfen, Hunde die das nicht wollen, sind ihm äußerst suspekt.

Buddy liebt Hündinnen – klar, er ist auch nicht kastriert. Da wird gespielt, geschnuppert und kurz gezeigt, was für ein toller Kerl er ist. Ich habe nie daran geglaubt, dass Rüden grundsätzlich ein Problem mit Rüden haben – jetzt kommt das große Aber, Buddy mag erfahrungsbedingt tatsächlich nur Rüden, vor denen er Respekt hat oder welche die sich unterordnen. Und wehe ein Rüde ist auf seine Susi scharf, die mag er dann wirklich nicht. Wie konnte sich Rüde Paul auch an seinen Pinkel-Busch vergehen? Kurz drüber gestrullt und die Welt ist wieder in Ordnung. Der soll hier bloß nicht denken, dass er die letzte Markierung hat.

Menschen, Fahrradfahrer, Autos und Roller sind für ihn absolut uninteressant. Da will er gar nichts mit zutun haben, ob die nun in unserer Welt sind oder nicht, das ist ihm relativ egal. Aber wehe Oma Hilde kommt mit dem Gehwagen um die Ecke oder Schülerin Lisa läuft mit ausgestreckten Armen auf uns zu… Nein, Danke. Auf einmal ist das Frauchen als lebendiges Schutzschild ganz nützlich.

Mit manchen Sachen muss ich nicht leben und arbeite daran. Mit anderen Sachen, habe ich gelernt zu leben und damit entsprechend umzugehen. Dazu erfahrt ihr hier mehr. Buddy hat auch gelernt, mit mir umzugehen. Sobald Frauchen keine Lust mehr hat, das Öhrchen oder den Popo zu kraulen, wird sie halt gemieden und mit Abwesenheit bestraft. Auch doof gelaufen, wenn Frauchen beim Bilder machen keine Leckerlis dabei hat. Da wird demonstrativ zur Seite geschaut oder am Grashalm genascht. Gewusst wie. Das Leben besteht aus einem Geben und Nehmen.

Er liebt es zu arbeiten, er ist schließlich ein Arbeitshund. Longieren, Apportieren, Suchspiele und Tricks sind für ihn kein Problem und werden geliebt – schließlich gibt’s im Anschluss Leckerlis. Und alles was mit Leckerlis, Lob oder Knuddeln zutun hat ist einfach toll. Nur vorsichtig, Buddy freut sich über Lob so sehr, dass er sämtliche Manieren und Regeln kurzzeitig vergisst.

Zuhause ist er der genügsamste und entspannteste Hund der Welt – Naja, außer wir haben einen Hund zu Besuch, Freunde sind schließlich immer etwas besonderes. Endlich versteht ihn einer. – Ansonsten wird auf dem Rücken breitbeinig geschlummert, unter dem Tisch nach Krümeln gesucht, Katzen, die unseren Garten beschmutzen werden gejagt und verbellt und pünktlich zur Mahlzeit wird einmal aufgejammert. Das Dinner wird dann an Ort und Stelle serviert und mit einem „Ok“ freigegeben. Alle Rituale werden eingehalten, morgens und abends besteht er darauf einmal ausgiebig gekrault zu werden.

Er hat ein wirklich hartes Leben.

 

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