Baby & Hund. Mein Erfahrungsbericht

Baby & Hund. Mein Erfahrungsbericht

Vor der Geburt meines Babys beschäftigte mich eine Frage am meisten. Wie wird mein Hund mit der Situation umgehen? Wie immer, wenn mich ein Thema sehr interessiert, suchte ich auf Instagram nach Hundebesitzern, die genauso eine Situation bereits erlebt haben und ihre Erfahrungen schildern können. Herausgekommen sind dabei fünf Erfahrungsberichte, die ich auf meinem Blog veröffentlicht habe.

Heute geht es nun endlich um unsere Erfahrungen. Wie haben wir uns vorbereitet? Wie hat Buddy auf unser Baby reagiert? Und wie sehr hat er sich oder unser Alltag in den mittlerweile sechs Wochen verändert?

Vorbereitung

Buddy hat mehrere Baustellen, wegen der ich mir vorab den Kopf zerbrochen habe. Leinenführigkeit, Leinenaggression sowie dem Bedürfnis, alles kontrollieren zu müssen.

Die Traumvorstellung, den Hund mit Kinderwagen nicht durch das Dorf ausführen zu können, machte mich schier unglücklich. Also übte ich die Leinenführigkeit, Hundebegegnungen und beobachtete, wie mein Hund sich bei anderen Babys (im Freundeskreis herrschte ein Babyboom) reagiert.

Die Leinenführigkeit konnte ich durch viele Probleme leider nicht so üben, wie ich es gern getan hätte. Erst zum Ende der Schwangerschaft zeigte sich mit Hilfe meiner Schwiegermutter, die zu früheren Zeiten Jagdhunde trainiert hatte, endlich Trainingserfolge, die für mich und Buddy vereinbar waren. Dazu aber in einem späteren Blogbeitrag mehr.

Buddy war bei fremden Babys zunächst sehr aufgeregt und interessiert. Ganz ehrlich? Ich hätte mir gewünscht, dass er kein Interesse hat. Denn er wollte die Babys am liebsten von unten bis oben „abschlabbern“ und das Abhalten, war oftmals sehr nervig. Wir blieben jedoch am Ball, nahmen ihn mehrmals mit und bald entspannte sich die Lage ein wenig.

Wir haben von meiner Hundetrainerin vorab noch den Tipp erhalten, den Hund nur zu „bespaßen“, wenn das Baby wach ist und nicht, wenn es schläft. Denn der Hund soll nicht lernen, dass er nur Aufmerksamkeit bekommt, wenn das Baby ruhig ist. So würde der Hund entspannter auf das neue Familienmitglied reagieren.

Viel mehr konnten wir tatsächlich nicht vorbereiten. Ich sagte mir irgendwann, dass sich alles mit der Zeit geben wird und wir wohl mit den Aufgaben wachsen werden. Ich nahm mir jedoch vor, dass er unser Baby beschnuppern und auch mal anlecken dürfte. Ich wollte viel mehr zulassen, als bei fremden Kindern. Doch dann kam alles anders.

Das Baby zieht ein

Buddy verbrachte 4 Tage bei meiner Mutter, bis wir aus dem Krankenhaus kamen. Mein Mann blieb die letzte Nacht nicht mehr im Krankenhaus, holte Buddy ab und die beiden hatten einen entspannten Abend zu zweit, bevor sich alles veränderte. Gegen Nachmittag holte mein Mann mich ab und mein innerer Instinkt sagte mir, dass ich meinem Hund das Baby nicht präsentieren werde. Ich wollte ihm nicht das Gefühl geben, dass es „seins“ ist oder gar ein „Spielzeug“. Keine vorherige Windel, Spucktuch oder sonstige Hilfsmittel die zuvor empfohlen werden. Ich wollte es so normal wie möglich gestalten.

Zuhause angekommen übernahm mein Mann das Baby und ich begrüßte Buddy ausgiebig. Danach stellten wir die Babyschale auf die Couch, nahmen das Baby heraus und versuchten eine ruhige und normale Atmosphäre zu schaffen. Ich lief also herum und versuchte Dinge zu tun, die ich normalerweise tat. Buddy war sehr aufgeregt, viel aufgeregter als bei den anderen Babys. Ich nehme an, dass er die Veränderung im Haushalt spürte.

Ich hatte mich plötzlich stark verändert. Beschützte mein Baby, vor meinem anderen „Baby“. Buddy sprang an mir hoch, war sehr aufdringlich, wollte das Kind ablecken und hatte eine Energie, die mir gar nicht gefiel. Also blieb es bei einem kurzen Beschnuppern am Anfang, ansonsten hielt ich ihn fern. Der erste Abend war für uns alle sehr anstrengend. Das Kind schrie, wir waren zunehmend nervös und der Hund zeigte die komplette Stresspalette. Von Hecheln, Kratzen, übermäßiges Pfoten lecken und Jaulen war alles dabei.

Gegen 20/21 Uhr ging ich mit unserem Sohn ins Bett und mein Mann blieb mit Buddy unten, obwohl er uns am liebsten gefolgt wäre. Bei jedem Ton des Babys, fing er an zu jaulen und bekam kaum Schlaf. Auch in der Nacht rannte er umgehend zum Beistellbett, wenn das Kind einen Ton von sich gab. Es war wirklich anstrengend.

Nach 3-4 Tagen hat sich die Situation jedoch entschärft. Ich versuchte, Buddy immer weiter mit einzubinden. Nahm ihm mit zum Wickeln, erlaubte ihm auf die Couch zu springen und sich beim Stillen neben uns zu legen und beschäftigte ihn mit Suchspielen oder Tricks, wenn ich unseren Sohn auf den Armen hatte. Er wurde zunehmend entspannter und sprang nicht mehr auf, wenn das Kind schrie. Ich muss dazu schreiben, dass er nie aggressiv auf den Kleinen reagiert hat. Er hat immer mit dem Schwanz gewedelt, war sehr neugierig, jedoch vorsichtig und zurückhaltend. Ich wollte nur die Kontrolle über die Situation haben und behalten.

Mein Mann wurde in den ersten Wochen jedoch zu seiner Bezugsperson, kuschelte mit ihm und ging mit ihm spazieren. Die Kuscheleinheiten forderte er extrem ein. Er war zuvor nie großartig kuschelbedürftig, doch mittlerweile würde er am liebsten auf uns liegen. Buddy und meine Beziehung war am Anfang schwierig. Vermutlich mussten wir alle unsere Plätze neu ordnen. Ich war sehr streng, ließ lange nicht mehr so viel durch, zeigte ihm viele neue Grenzen und die Kuscheleinheiten fielen aus. Ich will ehrlich sein. Anfangs war ich sehr genervt und gestresst von meinem Hund, bzw. der Situation.

Unsere Regeln :

  • Er hat auf der Krabbeldecke nichts zu suchen
  • Leinenführigkeit ist ein Muss
  • Er darf das Baby nur begrüßen oder beschnuppern, wenn sein Energielevel gering ist und er muss akzeptieren, wenn es genug ist
  • Das Baby wird nicht vor Besuch oder anderen Leuten beschützt
  • Er hat die Situation nicht zu kontrollieren, denn wir kümmern uns

Und heute?

Aktuell sind mehr als sechs Wochen vergangen. Es ist noch lange nicht alles perfekt, aber wir haben uns gefunden. Wir sind uns einig, dass der Abstand und unsere Kontrolle über die Begegnung der beste Weg war. Nicht der Hund entscheidet, wann er zu dem Baby darf, sondern wir. Wir haben und behalten die Kontrolle.

Mittlerweile haben wir uns eingespielt. Jeden Morgen gebe ich mit dem Baby auf dem Arm dem Hund das Futter. Wir kuscheln und gehen gemeinsam spazieren. Buddy reagiert auf kurze Geräusche gar nicht mehr. Sofern das Baby über einen längeren Zeitraum schreit, geht er eher auf Abstand oder sucht sich einen Ruheort.

Es gibt immer mal wieder neue Situationen, die zunächst Stress beim Hund auslösen. Anderes oder vermehrtes Schreien, freudige Rufe des Babys, Baby im Fliegergriff, Spielen auf der Spieldecke, wo wir das Baby loben und der Hund denkt, er ist gemeint. Aber nach wenigen Tagen hat er sich an die Situation gewöhnt, die neuen Grenzen akzeptiert und zeigt ein ganz entspanntes Verhalten. Auch ein „Nein“ akzeptiert er und bricht sein Vorhaben ab.

Leider ist es für mich nicht möglich, alleine im Dorf mit Hund und Kinderwagen spazieren zu gehen. Die Leinenführigkeit funktioniert recht gut, doch er reagiert noch immer vereinzelnd auf bellende Hunde. Die Gefahr ist mir zu groß, dass etwas passieren könnte. Daher gehe ich oft mit meiner Schwiegermutter spazieren, lade mir meine Eltern oder Freunde zum Frühstück ein, mit einem anschließendem Spaziergang oder fahre in einen Feldweg, wo ich Buddy notfalls ablege und den Kinderwagen sicher befestige, sofern wir einem Hund begegnen. Am Nachmittag gehen mein Mann und ich dann meist noch eine gemeinsame Runde oder er allein.

Die Beziehung zwischen mir und Buddy ist nun auch endlich wieder die Alte, auch wenn ich strenger geworden bin. Anfangs war es schwierig, ich hatte kaum Zeit und mein Mann kümmerte sich hauptsächlich um ihn. Mittlerweile geht mein Mann wieder arbeiten und alles scheint beim Alten. Auch, wenn er nicht mehr die einzige Nummer Eins ist.

Was uns jedoch aufgefallen ist – Buddy bellt im Haus vermehrt. Sei es, dass Leute an der Straße gehen, er Hunde bellen hört. Er ist wachsamer geworden. Zum Glück stört es unseren Sohn nicht und er ist bisher nur einmal davon wach geworden.

Wir versuchen, Buddy weiterhin Normalität zu bieten und ihn in dieser für ihn großen Umstellung zu unterstützen. Es wird noch viele neue Situationen geben, an die er sich gewöhnen muss. Aber sofern man einen guten Grundstein legt, sind wir uns sicher, alles meistern zu können. Er darf auch mal die Hand lecken, macht es jedoch immer weniger. Weitestgehend geht er dem Baby aus dem Weg und hat das Interesse verloren, schnuppert aber noch gerne mal an ihm, wenn wir gemeinsam auf der Couch liegen oder er auf der Krabbeldecke liegt. Auch die Energie hat enorm nachgelassen. Er ist vorsichtiger und hat einen gewissen Respekt.

Ich bin jedoch sehr gespannt auf die Krabbel- und Laufzeit, denn da kann das Kind aktiv auf den Hund zugehen und nicht mehr andersherum. Noch kann schließlich Buddy entscheiden, wann er Kontakt möchte und wann nicht. Ich halte euch auf dem Laufenden.

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